Am 16. Januar 1995 startete in den USA zum ersten Mal das Raumschiff Voyager, das titelgebende Gefährt der vierten im Star Trek-Universum angesiedelte Realfilm-Fernsehserie. Ich muss ganz ehrlich gestehen: Anfangs tat ich mich schwer mit dem Design. Die U.S.S. Voyager wirkte so seltsam langgezogen, die Gondeln in Relation so winzig, auch wenn sie diesen lustigen Klappeffekt vor dem Sprung auf Warp hatten. Auch der Serieneinstieg mit den Kazon überzeugte mich nur bedingt, und mit Charakteren wie Harry Kim, Kes oder Neelix bin ich nie richtig warm geworden.
Mittlerweile sehe ich mit sehr viel milderem Blick sowohl auf das Schiff als auch auf die Serie. Aus dem richtigen Blickwinkel weist die gute Voyager durchaus schnittige Formen auf, und nicht zuletzt die Borg haben im Rahmen der Serie als Gegner eine Menge an Profil gewonnen. Und so freut es mich durchaus, dass das schon 2020 bei Titan Books erschienene Begleitbuch Star Trek Voyager – Die U.S.S. Voyager NCC-74656 – Illustriertes Handbuch nach langer Verzögerung im Dezember 2025 gerade noch pünktlich zum 30. Geburtstag von Star Trek Voyager bei Cross Cult erschienen ist.

Abflug mit der Voyager
Das Buch folgt in Aufmachung und Inhalt im Wesentlichen seinen Geschwisterbänden zur U.S.S. Enterprise und zu Deep Space 9, die ebenfalls beide auf Deutsch bei Cross Cult erschienen sind. Auch dieses Buch kommt im edlen Hardcover mit Spotlack-Veredelung daher, dazu vollfarbig, mit festen Fotopapierseiten und fadengeheftet. Die zahlreichen 3D-Illustrationen von Räumlichkeiten und Ausrüstung im Innenteil sind von hervorragender, die Fotos aus der TV-Serie immerhin von guter Qualität angesichts des doch mäßigen Ausgangsmaterials. Die „äußeren Werte“ wissen wieder vollends zu überzeugen.
Auch inhaltlich wird einiges geboten. Wie das Impressum verrät, basiert das Gebotene größtenteils auf dem einstigen Sammelwerk Star Trek Fact Files, das zwischen 1997 und 2002 (auf Deutsch 1999 bis 2004) in 304 Ausgaben erschienen ist. Es wurden jedoch auch einige Ergänzungen und Glättungen vorgenommen. Außerdem wurde das Layout für das Buch in eine etwas modernere, gefällige Form gebracht. In seiner Fokussierung auf sein Thema Voyager, Shuttles und Delta Flyer sowie Föderationsausrüstung, die im Delta-Quadranten zum Einsatz kam, hat das Buch also selbst für Besitzer der Loseblatt-Mammutsammlung seinen Wert.

Rundgang durchs Schiff
Nach einem umfangreichen Inhaltsverzeichnis, einer Danksagung und einem Vorwort geht es mit einer allgemeinen Annäherung an die Voyager los. Die Schiffshistorie erzählt von der Mission der Voyager im Delta-Quadranten, von der Entführung durch den Fürsorger bis zur Heimkehr zur Erde durch das Transwarp-Netzwerk der Borg. Es schließen sich kommentierte Außenansichten des Schiffs, sowie Informationen zum inneren Aufbau an. Danach stehen einzelne Systeme im Fokus, darunter Computersysteme, die Sensoren, die Waffen- und Verteidigungssysteme, Rettungskapseln sowie Traktorstrahler.
Mit dem Wechsel in den Maschinenraum beginnt dann der konkrete Rundgang durchs Schiff. Jeder Ort wird dabei um passende Zusatz-Informationen ergänzt. So geht es im Maschinenraum naheliegend auch um den Antrieb oder den Abwurf des Warpkerns. Nach einem Blick auf die Brücke werden Stationen wie die Flugkontrolle, die Ops, die Taktische Station und die Wissenschaftliche Station unter die Lupe genommen. Bereitschaftsraum, Besprechungsraum und Krankenstation werden ebenso vorgestellt, wobei die schon erwähnten, tollen 3D-Abbildungen der Räume einen guten Überblick über die Location bieten und teilweise erst so richtig augenfällig werden lassen, wie seltsam verwinkelt die Raumarchitektur der Voyager war – und wie eng. Im Anschluss an die Krankenstation folgt natürlich ein längerer Exkurs über die medizinischen Methoden der Sternenflotte, inklusive des berühmten MHNs.

Schön ist, dass auch seltener verwendete Räumlichkeiten etwas Aufmerksamkeit erhalten, darunter die Leichenhalle – wobei man sich ernsthaft fragt, warum Tote noch auf Bahren herumgeflogen werden, statt sie in Musterpuffern von Transportern zu speichern. Über das Labor, die Astrometrie, Chakotays Büro und die berühmten „Lower Decks“ führt uns unser Weg schließlich zum Transporterraum und zuletzt zum Shuttle-Hangar, womit der nächste große Informationsblock beginnt.
Arbeitstiere und flotte Flitzer
Der vorliegende Band ist nicht in mehrere Kapitel aufgeteilt wie noch der Vorgänger zur Raumstation Deep Space 9. Stattdessen ist der Übergang zu den Shuttles und Flyern der Voyager ein fließender. Shuttles vom Typ 6, 8 und 9 werden vorgestellt, bevor mit einem doppelseitigen Foto eine kleine Zäsur erfolgt, nach welcher der Delta Flyer auf gleich 16 Seiten ins Rampenlicht rückt. Zuletzt wird noch dem kleinen, wenig genutzten Aeroshuttle eine Doppelseite spendiert.

Dann folgt ein etwas seltsamer Bruch, denn wir nehmen den Rundgang über die Voyager wieder auf. Informationen zu Besatzungsquartieren und dem Quartier des Captains werden ebenso geboten wie solche zu Tuvoks Quartier, der Messe und Neelix’ Küche. In meinen Augen wäre das weiter vorn im Buch besser aufgehoben gewesen. Danach gibt es einmal mehr den berühmten Kessel Buntes, wenn gegen Ende des Buchs noch Einträge zu beispielsweise Holodeckprogrammen, Standard-Ausrüstung, Phasergewehren, Mikrosonden, Abzeichen und Uniformen geboten werden. Das sind, gar keine Frage, alles interessante Einträge, die eine wunderbare Ergänzung zum vorab Gezeigten darstellen. Sie wirken allerdings ein wenig planlos angehängt. Völlig unpassend eingeschoben sind vier Seiten über Frachtraum 2, der zwischendurch die Heimat für Borg wie Seven of Nine und einige Borg-Kinder war.
Die Reise endet mit einem Blick in die Zukunft, also der Voyager aus dem finalen Serien-Zweiteiler, der Ablativpanzerung und dem Shuttle der gealterten Admiral Janeway.
Ein alphabetischer Index und etwas Werbung schließen den Band an.
Mein Fazit
Das Konzept all der Bände der Reihe ist so ähnlich, dass auch mein Fazit zwangsläufig sehr ähnlich ausfällt. Kurz gesagt: Ich liebe diese Bücher. Klar, die Texte bleiben manchmal etwas oberflächlich. Beschrieben wird halt in der Regel wirklich nur, was auch auf dem TV-Bildschirm zu sehen war. Doch die schiere Masse macht’s dann. Fans von Star Trek Voyager werden mit unfassbar vielen Details zu „ihrem Schiff“ verwöhnt, wobei vor allem die opulente Bebilderung samt ihrer zahlreichen 3D-Illustrationen der Räumlichkeiten begeistert. Alles in allem kann ich das Buch nur allen Star Trek-Afficionados im Allgemeinen und Voyager-Freunden im Besonderen ans Herz legen. Auch Spielleiter des Rollenspiels Star Trek Adventures könnten daran ihren Spaß haben, denn so viele gut ausgearbeitete Locations eines Raumschiffs findet man in keinem Quellenbuch! Wichtig allerdings erneut: Das Buch bleibt konsequent „in universe“. Hintergründe und Anekdoten zur Produktion finden sich hier nicht.
Star Trek Voyager – Die U.S.S. Voyager NCC-74656 – Illustriertes Handbuch von Ben Robinson (Hrsg.)
Cross Cult 2025 / ISBN: 978-3-96658-915-4
184 S., Hardcover, deutsch
Preis: 35,00 EUR
Informationen zum Redakteur

Bernd Perplies
Website: http://www.bernd-perplies.de
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Bernd Perplies verbringt schon sein ganzes Leben mit Zwergen und Sturmtrupplern, Vampiren und Vulkaniern. Prägende Jugendjahre voller Abenteuer an der Seite von Perry Rhodan, Jean-Luc Picard, Gandalf und Luke Skywalker sorgten für eine Anhäufung unnützen Wissens über neue Welten, neues Leben und neue Zivilisationen fernab der Realität. Um dieses Wissen sinnvoll weiterverwerten zu können, entschied er sich für eine Laufbahn als Schriftsteller, Übersetzer und Journalist.
Seitdem hat er zahllose Artikel für die SpaceView, das Phantastika Magazin und Tor Online verfasst, rund 20 Star Trek-Romane (und ein bisschen Genre-Beifang links und rechts) übersetzt, etwa 1000 Seiten an Playmobil-Magazin-Comics ersonnen und annähernd 50 phantastische Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschrieben, darunter die Magierdämmerung-Trilogie, offizielle Beiträge zu Shadowrun und BattleTech, die Drachengasse 13-Reihe und Star Trek Prometheus, den Geburtstagsdreiteiler des Cross-Cult-Verlags zum 50-jährigen Jubiläum von Captain Kirk & Co.
Bernd Perplies lebt mit seiner Familie (und einer einzelnen tapferen Grünpflanze) unweit von Stuttgart in einem Labyrinth aus Billy-Regalen voller Bücher, Filme und Brettspiele.
