Diese Worte sind selbstverständlich jedem Star Trek-Fan wohlbekannt, denn sie sind zu Beginn jeder Episode der Originalserie, sowie von The Next Generation zu hören.
Aber was genau ist mit dieser Formulierung eigentlich gemeint? Inwiefern ist der Weltraum die letzte Grenze?
Seit es uns Menschen gibt, streben wir danach unseren Horizont ständig zu erweitern. Wir können nicht anders, etwas tief in uns drin drängt uns dazu unsere Welt zu erforschen, herauszufinden, was für Geheimnisse hinter dem Horizont auf uns warten. Wir stellen Fragen, um die Welt zu verstehen und um – wie es Captain Sisko einstmals formulierte – neue Fragen zu finden. Dieser Wunsch zu begreifen warum die Welt so ist wie sie ist und wie sie funktioniert ist ein Teil unserer menschlichen Natur, und das von Geburt an. Stets sind wir auf der Suche nach neuem Wissen. Und dieses Streben beschränkt sich nicht nur auf unseren Planeten, sondern auch auf dem Himmel über unseren Köpfen. Wir spüren, dass dort draußen, zwischen den Sternen die Antworten auf die tiefsten, existentiellen Fragen, die uns beschäftigen warten. Deshalb betrachten wir das All als die letzte Grenze, als die ultimative Herausforderung für den menschlichen Geist.
Bei Star Trek geht es um die Erforschung jener unendlichen Weiten. Und nicht nur das: Es geht auch darum, wie wir uns bei den Reisen zu fremden Welten letztlich selbst finden, denn die Reise zu den Sternen ist auch eine Reise in die Tiefen unser Seele. Wie wir mit gänzlich andersartigen Wesen umgehen, sagt auch viel uns selbst aus.
Lost in Space
Vor tausenden von Jahren begannen die Menschen zu glauben, dass die Sterne einen direkten, messbaren Einfluss auf unser Leben haben, dass sich im Menschen die Bewegungen der Gestirne widerspiegeln. Mensch und Kosmos wurden als Einheit begriffen. In diese Zeit fiel die Geburtsstunde der Astrologie, die lange vor der wissenschaftlich fundierten Weltraumforschung entstand. Die Tatsache, dass die Kunst der Sterndeutung praktisch genauso alt ist wie unsere Zivilisation, ist ein starkes Indiz wie tief verwurzelt unsere Sehnsucht ist, uns selbst als Teil des Universums zu sehen, uns in ihm gleichsam heimisch zu fühlen. Man könnte fast meinen bereits unsere antiken Vorfahren hätten irgendwie instinktiv gespürt wie unermesslich groß das All und wie winzig klein die Erde im Vergleich dazu ist, weshalb sie sich Mythen und Weltanschauungen ausdachten, in denen die Menschheit einen ganz besonderen Platz im Universum einnehmen, ja das es nur für sie allein gemacht ist. Die bis in unsere, angeblich so aufgeklärten Tage andauernde Popularität von Horoskopen zeigt, dass sich Viele selbst heute noch nicht mit unserer kosmischen Bedeutungslosigkeit abgefunden zu haben scheinen.
Auch in der fiktiven Star Trek-Galaxie ist unsere Spezies nicht einfach nur ein unbedeutender Statist zwischen all den unzähligen Völkern, die sie bewohnen. Vielmehr ist unsere kleine Erde das Zentrum der großen Vereinigten Föderation der Planeten und der Sternenflotte. Selbst die Autoren und Produzenten der verschiedenen Star Trek-Inkarnationen haben so, bewusst oder unbewusst, dem Wunsch entsprochen, die Erde, und damit ihre Bewohner, sei doch bitte schön nicht einfach nur ein gewöhnlicher Planet wie jeder andere auch.
Nur ist Gewöhnlich ein höchst relativer Begriff. Glaubte man in früheren Zeiten noch unser Sonnensystem sei einzigartig, entdeckten Astronomen in den letzten dreißig Jahren über 7500 Planeten, die um andere Sterne ihre Bahnen ziehen. Planetensysteme sind, soviel kann man heute mit Gewissheit sagen, die Regel und nicht die Ausnahme. Insofern ist die Erde ganz und gar nichts besonderes. Anderseits wurde bisher aber auch noch keine einzige fremde Welt entdeckt, die unserem Heimatplaneten auch nur ansatzweise ähnlich ist. Bis heute ist die Erde der einzige Planet in unserer Milchstraße, von dem wir wissen, dass auf ihm Leben so wie wir es kennen überhaupt möglich ist. Falls lebensfreundliche Planeten selten sein sollten, wäre die Erde also doch etwas besonderes, fast schon eine Art kosmisches Wunder.
Doch wie würden wir Menschen damit umgehen, wenn dies wirklich der Fall sein sollte? Wie sollen wir uns mit der unvorstellbaren Größe des uns umgebenden Kosmos und damit unserer eigenen Bedeutungslosigkeit abfinden? Uns in tröstliche Hirngespinste wie der Astrologie zu flüchten ist sicher nicht der richtige Weg.
Star Trek und auch andere Science-Fiction Franchises erwecken den Eindruck, dass es in der Galaxie abertausende von hochentwickelten Zivilisationen geben könnte, die uns mehr oder weniger ähnlich sind. Wen dem auch in der Realität so wäre, würde uns das Universum gleich weniger groß und einsam erscheinen. Doch leider müssen wir nach gegenwärtigen Stand der Dinge davon ausgehen, dass die Anzahl außerirdischer Zivilisationen im All wesentlich kleiner ist, als die Star Trek-Autoren sich das ausmalen. Aber wenn solche Intelligenzler von den Sternen doch eines Tages mit uns in Kontakt treten würden, wäre dies für die Meisten von uns ein noch größerer Schock als die umgekehrte Erkenntnis, ganz allein im All zu sein.
So oder so ist das Universum für den menschlichen Geist also eine gewaltige Herausforderung. Zumindest im 23. Jahrhundert, wie es in Star Trek dargestellt wird, hat er diese angenommen und ist dadurch reifer und weiser geworden. Der Keim für diesen Entwicklungsprozess ist auch in der gegenwärtigen Realität von Natur aus in uns vorhanden, wir tun uns nur schwer damit dieses Potential zu nutzen. Doch wäre dies dringend notwendig, angesichts der enormen Probleme, denen wir uns als Menschheit entgegensehen, man denke dabei vor allem an den Klimawandel. Wenn aber außerirdische Völker vor ähnlichen Problemen standen und diese aus eigener Kraft zu lösen vermochten, dann sollte dies uns doch wohl auch möglich sein, oder?
Viel Wissen – wenig Weisheit
Auch hier stoßen wir aber leider wieder auf die menschliche Neigung uns das Leben selbst unnötig schwer zu machen, ohne es überhaupt zu bemerken. Auch heute, in unserer scheinbar so hochentwickelten modernen Welt, in der selbst die Menschen in Dritte-Welt Ländern über das Internet Zugang zu den Offenbarungen der Wissenschaft haben, flüchten wir uns noch immer in Aberglauben und esoterischen Wahnideen, weil wir glauben uns nur so in der Welt zu Hause fühlen zu können. Auch diese Unsitte haben die Menschen im 23. Jahrhundert hinter sich gelassen.
Durch den Kontakt mit weiter fortgeschrittenen Völkern lernten sie was zu tun war, um sich selbst zu helfen und zu erkennen, dass das Universum nicht nur für sie gemacht war. Erst dieses Wissen ließ die Menschheit erwachsen werden. Im wahren Leben aber scheint der Besitz von Wissen allein nicht auszureichen, um die großen Menschheitsprobleme zu lösen. Wenn die alte Weisheit, dass Wissen Macht bedeutet zutrifft, versagen wir Menschen darin mit dieser Macht konstruktiv umzugehen. Wohin haben uns denn die großen wissenschaftlichen Erkenntnisse der vergangen Jahrhunderte geführt? Wir bilden uns ein zu wissen wie unser Universum funktioniert nachdem wir es mittels Teleskopen und Teilchenbeschleunigern untersucht haben.
Aber können wir uns dessen wirklich sicher sein? Und was macht unser angesammeltes Wissen mit uns Menschen? Macht es uns wirklich klüger, weiser und vor allem bescheidener? Hat es uns geholfen wenigstens ein klein wenig mehr so zu werden wie die Menschen in der Star Trek-Zukunft?
Nach momentanen Stand der Dinge muss man diese Frage leider mit Nein beantworten. Zwar ist in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg mehr und mehr ein Bewusstsein dafür entstanden, dass wir Menschen auf diesen kleinen Planeten voneinander Abhängig, die Ressourcen, die wir zum überleben brauchen begrenzt und die biologischen Gemeinsamkeiten zwischen uns größer als die Unterschiede sind. Doch leider ist gerade in den vergangen Jahren eine bedenkliche Rückentwicklung zu beobachten: Nationalismus und religiöser Fundamentalismus sind in vielen Weltgegenden, sogar hier in Europa trotz des Erkenntnisgewinns durch die Naturwissenschaften wieder auf dem Vormarsch. Vor allem unsere Politiker neigen wieder vermehrt dazu, wissenschaftliche Fakten zu ignorieren oder gar als komplett falsch zu diskreditieren, nur weil sie ihnen nicht in den Kram passen. Und nicht nur das: Auch der Irrglaube an übernatürliche Phänomene ist noch lange nicht vom Aussterben bedroht.
Warum tun wir uns bloß so schwer damit unsere inneren Dämonen zu überwinden und uns von den Geiseln des Aberglaubens und der ideologischen Verblendung zu lösen? Vielleicht ist die Antwort auf die Frage ebenso einfach wie frustrierend: Wir sind als Spezies eben doch nicht so intelligent wie wir uns das selber gerne einreden.
Wir halten uns für klug, weil wir Wissenschaft betreiben, Maschinen bauen und Kunst erschaffen können. Aber was macht uns so sicher, dass diese Definition von Intelligenz die einzig richtige ist? Könnten zum Beispiel fremde Wesen von anderen Planeten nicht eine gänzlich andere Definition dieses Begriffs haben? Und wer vermag zu sagen welche die einzige richtige ist, wenn es denn überhaupt eine gibt?
Womöglich ist es ja gar kein Zeichen von Intelligenz, komplexe Aufgaben zu bewältigen und schwierige Probleme lösen zu können. Könnte es nicht sein, dass sich wahre Klugheit darin zeigt die richtigen Fragen zu stellen, anstatt die richtigen Antworten finden zu können?
Aber wenn das stimmt, was sind denn dann die richtigen Fragen?
In Star Trek wurden in den vergangenen 60 Jahren in den unterschiedlichsten Kontexten viele Fragen aufgeworfen, die unsere tiefsten Überzeugungen berühren:
Gibt es Werte, die für alle Menschen gültig sind? Was ist Wahrheit? Was ist Gerechtigkeit? Ist zu viel Freiheit schädlich? Ist der Mensch ursprünglich gut oder böse? Ist die Menschheit auf dem richtigen Weg? Was ist Wirklichkeit? Was macht Menschen menschlich? Darf man für den Frieden Kriege führen? Was ist der Unterschied zwischen Wissen und Weisheit? Sind Religionen gut für die Menschheit? Wohin führt der Fortschritt?
Auf manche dieser Fragen gibt es Antworten, die für alle Menschen gültig sind, auf andere nicht. Die wahre Weisheit besteht wohl darin zu erkennen auf welche Fragen, was zutrifft. Dies ist die wahre letzte Grenze, die es zu überwinden gilt: Die Grenze unseres Nichtwissens, der Grenze unserer geistigen Fähigkeiten. Egal wie schnell die Raumschiffes sind, die wir in Zukunft noch bauen werden, egal wie überlegen zukünftige künstliche Intelligenzen auch sein werden, wir werden nicht darum herumkommen uns selbst mit diesen Fragen zu beschäftigen und auch die Antworten in uns selbst zu finden.
Und wenn wir sie nicht finden sollten, müssen wir aus eigener Kraft die Reife finden auch mit dieser Ungewissheit leben zu können. Wenn uns dies gelingt, werden wir den ersten und wichtigsten Schritt hin in eine Zukunft gehen, in der wir uns im Universum wirklich zu Hause fühlen können und damit aufhören uns in den Glauben an Horoskope, UFOs, Telepathie, außersinnliche Wahrnehmung oder Verschwörungstheorien zu flüchten, um dort auf diese Weise mit unserer vermeintlichen Bedeutungslosigkeit zurechtzukommen. Wir würden aufhören unter den Wissen zu leiden wie klein und unwichtig der Mensch im Kosmos ist, denn was wirklich wichtig für uns ist können wir nur hier, auf unserer kleinen blauen Heimat finden …
