Der Computerspezialist Daniel Kellner (Josh O’Connor) arbeitet für den regierungsnahen Konzern Wardex und gelangt dadurch in den Besitz von geheimen Informationen, die belegen, dass die Erde bereits seit Jahrzehnten regelmäßig von außerirdischen Wesen besucht wird und die US-Regierung sogar in direkten Kontakt mit ihnen steht. Der Wardex Chef Noah Scanlon (Colin Firth) setzt alles daran Kellner zu fassen, bevor dieser die Daten an die Öffentlichkeit bringen kann. Hilfe bekommt Kellner von seiner Freundin und Ex-Nonne Jane, deren religiöses Weltbild durch die Enthüllungen ins Wanken gerät.
Unterdessen hat die unbescholtene TV-Wettermoderatorin Margaret Fairchild (Emily Blunt) ganz andere Probleme: Während einer Sendung beginnt sie plötzlich in einer völlig fremdartigen Sprache zu reden, ohne etwas dagegen tun zu können. Irgendeine unbekannte Macht scheint Einfluss auf sie zu nehmen, was auch Scanlons Schergen auf den Plan ruft. Verzweifelt versucht sie herauszufinden was mit ihr los ist und kommt dadurch schließlich auch mit Daniel Kellner in Kontakt. Gemeinsam fliehen sie vor Scanlon und kommen einer Wahrheit auf der Spur, welche den Lauf der Welt für immer verändert…
Eine Rückkehr zu den Wurzeln
Dass Steven Spielberg ein starkes Interesse an Außerirdischen hat, bewies er ja schon mit seinen frühen Werken „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und „E.T. – Der Außerirdische“. Mit diesen Filmen erarbeitete er sich seinen Ruf als der Märchenonkel Hollywoods, denn in diesen Produktionen lässt er die fremden Wesen aus dem All als den Menschen überlegene Freunde auftreten, welche teilweise über fast schon gottähnliche Fähigkeiten verfügen. Im späteren Verlauf seiner Karriere – spätestens seit „Schindlers Liste“ – wandte er sich dann jedoch vermehrt bodenständigeren, zeitgeschichtlichen Themen zu, welche das phantastische Genre nicht mehr berührten. Nach der Jahrtausendwende wagte er sich dann aber doch noch dreimal an das Science-Fiction Genre:
„A.I. – Künstliche Intelligenz“, „Minority Report“ und vor allem „Krieg der Welten“ erzählten eher düstere Geschichten, die den Optimismus seiner Frühwerke vermissen lassen. Vor allem der Verfilmung von H.G. Wells klassischen Invasionsroman sieht man überdeutlich an, dass er in einer post-9/11 Welt entstand. Hier werden die Außerirdischen als brutale Invasoren gezeigt, die keine Gefangenen machen und dabei ebenso wenig Gnade zeigen wie religiös motivierte Terroristen.
Mit „Disclosure Day“ kehrt der Meister nun jedoch zumindest bis zu einem gewissen Grad wieder zu seinen Wurzeln zurück. Hier ist es wieder in erster Linie der Mensch, der als Bedrohung auftritt, während die Aliens als Retter in der Not im letzten Augenblick dafür sorgen, dass sich unsere Spezies durch einen dritten Weltkrieg selbst auslöscht.
In Anlehnung an unsere reale Weltlage befinden sich die Großmächte in einem Konflikt um Nordkorea weswegen sie kurz davor stehen ihr nukleares Waffenarsenal aufeinander abzufeuern. Unser Held Daniel Kellner hegt die Hoffnung, dass die Veröffentlichung der Geheimdokumente diese Katastrophe verhindert, indem sie den Menschen klarmacht, dass unsere Erde seit langem von weit überlegenen Außerirdischen besucht wird, welche auch in ethischer Hinsicht weiterentwickelt sind. Die Fremden könnten die Machthaber der Welt, so seine Hoffnung, vom Irrsinn des atomaren Schlagabtausches überzeugen. Doch aus Frucht vor den unabsehbaren Konsequenzen setzen Scanlon und seine Leute lieber alles daran, dass das Geheimnis auch eins bleibt.
Hier erinnert der Streifen recht stark an Chris Carters klassische Mysteryserie „Akte X“, in der politische Verschwörungen mit einem Sci-Fi Plot auf effektive Weise vermischt wurden. Aber auch eine gewisse inhaltliche Verwandtschaft mit Robert Wise „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ lässt sich nicht verleugnen. Auch dort wurde eine Friedensbotschaft von außerirdischen Wesen überbracht, welche die Nationen der Welt von einer gewalttätigen Konfrontation abhält. Das Drehbuch von „Disclosure Day“ verfolgt einen ähnlich pazifistischen Ansatz, wenngleich auf einer eher oberflächlichen Art. Der Streifen vermeidet den eher pessimistische Grundton von „Akte X“ und zeigt dem Zuschauer stattdessen ein für den frühen Spielberg typisches humanistisch-märchenhaftes Ende, welches freilich auch einige Fragen offen lässt. Man muss Spielberg, der auch die Story entwickelte, zwar dafür loben, dass er Raum für Imagination lässt und sein Publikum dazu einlädt sich seine eigenen Gedanken darüber zu machen, was nach der Enthüllung der Wahrheit geschieht. Aber das offene Ende wird Manchen wohl auch sauer aufstoßen, gerade weil es neugierig darauf macht wie sich die Geschichte weiterentwickeln würde, dies jedoch aber eben nicht gezeigt wird.
Löblich ist aber, dass der Streifen nicht davor zurückschreckt sich mit den religiösen Implikationen auseinander zusetzen, die ein Erstkontakt mit weit fortgeschrittenen Wesen aus dem All mit sich bringen würde. Es ist eine Rarität im Blockbusterkino, dass man sich überhaupt mit solchen Fragen beschäftigt, obwohl er auch hier ruhig etwas mehr in die Tiefe hätte gehen können. Es ist schade, dass Spielberg nicht die Konsequenz besitzt auch aus diesem Aspekt seiner Geschichte mehr zu machen.
Die ersten beiden Akte des Streifens sind in erster Linie eine einzige Verfolgungsjagd, während der die beiden Protagonisten zusammenhalten müssen, um vor Scanlon und seinen Leuten zu fliehen. Dabei muss man leider auch so einige logische Fehler in Kauf nehmen, vor allem dass sich die Wardex Leute teilweise schon arg unprofessionell anstellen, nur damit unsere Helden ihnen entkommen können, was nicht gerade für die Qualität des Drehbuchs spricht, zumal dies beileibe nicht dessen einziger logischer Bruch ist. Es scheint beinahe so als ob Scanlon vor dem letzten Schritt zurückschreckt und nicht wirklich ernsthaft versucht die Beiden mit Gewalt aufzuhalten, obwohl dies zweifellos in seiner Macht liegen würde.
Gegen Ende wartet der Film zudem mit einigen Szenen auf, die man getrost als recht kitschig bezeichnen kann. Manche Bilder wirken fast schon wie Realversionen von Szenen aus einem Disney Zeichentrickfilm. Fairerweise muss man dem aber zugute halten, dass er gerade dieser Kitsch ist, durch den Spielberg es vermeidet den Film zu düster werden zu lassen und den Zuschauer mit einem guten Gefühl entlässt. Und er passt in diesem Fall auch ganz gut zu der noblen Botschaft, dass man das Fremde nicht fürchten muss.
Aus der Zeit gefallen?
Viele Kritiker haben bemängelt, dass der Film nicht wirklich in unserer moderne Zeit passt, da er einfach zu stark an das Genrekino der Achtziger oder Neunziger Jahre erinnert. Diesem Vorwurf muss man leider zustimmen, da sich die Handlung aus Versatzstücken zusammensetzt, die man in den vergangenen Jahrzehnten gesehen hat – und dies teilweise auch besser. Denn beim Betrachten wirkt „Disclosure Day“ handwerklich nur zum Teil wie in Spielberg Film. Ihm fehlt die spezielle Handschrift der anderen Science-Fiction Werke des Regisseurs, die sein Alleinstellungsmerkmal ausmachen. Vor allem die ersten beiden Akten fehlen die typischen Spielberg Momente, die sein Werk unverwechselbar machen. Erst das letzte Drittel erinnert wieder uns daran, dass wir hier einen Steven Spielberg Film sehen.
Die musikalische Untermalung von John Williams ist zwar ebenfalls gewohnt gut, aber es gibt leider kein wirklich markantes Leitmotiv, das dem Zuschauer nachhaltig im Gedächtnis bleibt, wie zum Beispiel die berühmten fünf Töne aus „Unheimliche Begegnung der dritten Art“.
Fazit
Aller Kritik zum Trotz ist „Disclosure Day“ aber wirklich kein schlechter Film, vor allem eben da es sich, wie bereits erwähnt, um ein grundoptimistisches Werk handelt, das somit in der Tradition von „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ steht, welcher ja auch die Botschaft vermittelt, dass wir das Fremde nicht fürchten müssen, sondern es im Gegenteil willkommen heißen sollten. Dies zeigt sich vor allem an Emily Blunts Figur. Sie spielt Margaret absolut sympathisch und herrlich natürlich, so dass man sich leicht mit ihr identifizieren kann. Auch alle anderen Darsteller machen einen guten Job, auch wenn Colin Firth vielleicht einen etwas zu klischeehaften Bad Guy abgibt. „Disclosure Day“ ist wahrlich kein Meisterwerk des Genres, vor allem wegen der Logiklücken und der zum Teil zu konventionellen Inszenierung. Aber wenn man diese Fehler ignoriert fühlt sich der Streifen fast schon wie eine nostalgische Reise in die Vergangenheit an, in der das Science-Fiction Kino beim Publikum noch einen Sense of Wonder erzeugte. Im modernen Genreproduktionen ist dies beileibe keine Selbstverständlichkeit mehr. Aber Spielberg beweist hier, dass er immer noch dazu in der Lage ist in seinen Filmen eine ganz spezielle Magie zu erzeugen, die sein Publikum gefangen nimmt und das macht ihm so schnell kein anderer Filmemacher nach …
