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Kolumne: Masters Of The Universe – Warum He-Man plötzlich wieder in aller Munde ist (inkl. Streaming-Tipps vor dem Filmstart)

© Amazon/MGM

Bettina Petrik schürt eure Vorfreude auf den neuen „Masters of the Universe“-Film.

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In den USA wurde die Marketing-Maschinerie schon vor Wochen auf Warp 9 hochgeschraubt – in den letzten Tagen kommt man auf Social Media und im TV aber auch im deutschen Raum kaum mehr um die Hinweise auf einen ganz bestimmten anstehenden Kino-Neustart herum. Mit dem Slogan „Erlebe, wie er zu He-Man wird!“ stellt Sony ebenso simplistisch wie effektiv sicher, dass sich Fantasy- und Science-Fiction-Fans auch ohne Kenntnisse über eine der berühmtesten Kultserien der 1980er etwas unter dem Titel Masters Of The Universe vorstellen können. Auch entsprechendes Zubehör versucht diesen durch einen denkbar günstigen Filmstart-Zeitpunkt zu hieven. Die eigene Vorfreude als erklärtes Kind der 1980er holt da sogar mich aus meiner Rezensions-Blockade der letzten Jahre, um ein Herzensprojekt unseren Leser vorab näher vorzustellen.

Es mag nur wenige Film- und Serien-Freaks geben, die wirklich noch niemals Namen aus der Popkultur wie He-Man, Orko und Skeletor gehört haben. Doch die Samstagmorgen-Cartoons aus RTL- und TELE 5-Zeiten haben ihren Zenit schon dezent überschritten. So manch einer mag sich bei der Sichtung der Action- und emotionsgeladenen Vorschau-Clips zu Masters Of The Universe fragen, warum vor allem Millenials und Xennials wie ich im Moment plötzlich von Zauberschwertern, halbnackten Muskelmännern und sprechenden Tigern schwärmen.

„Ich habe die Kraft!“ – Da war doch mal was

Als He-Man – Tal der Macht ging Masters of the Universe hierzulande einst an den Start, zuerst tatsächlich nur auf VHS. Aber als es die Serie dann 1988 zu Bim Bam Bino schaffte, wurde sie in den deutschen Kinderzimmern mit derselben Begeisterung aufgenommen wie so viele andere US-Superhelden-Cartoons aus dieser Zeit. Von den Ninja Turtles über Flash Gordon, von Saber Rider bis hin zu Spider-Man, als Kind der 1980er saugte man alles Animierte gern auf, das heroische Geschichten in jeglicher Verpackung versprach. Was also macht gerade He-Man so besonders, dass selbst die jüngere Generation einige der Hauptfiguren – dank deren teilweise recht queeren Erscheinungsbildern und der kostengünstigen 1980er-Animation – aus diversen Internet-Memes kennt?

Dazu sollte man wissen, dass die originale Zeichentrickserie 1983 hauptsächlich aus einem Grund produziert wurde: um Spielzeug zu verkaufen. He-Man ist neben Barbie mit die erfolgreichste Marke von Mattel, in den späten 1980ern als Großprojekt auf den Markt geschickt, nachdem Mattel sich mit der Ablehnung eines Star Wars-Deals mächtig verkalkuliert hatte. Die Geschichte von Prinz Adam von Eternia, der sich mit Hilfe von Magie in eine geheime zweite Identität verwandeln konnte, nämlich in den mächtigsten Mann des Universums, und so seinen Planeten vor einem blauhäutigen Dämon mit Totenkopf als Gesicht verteidigte, kannte man zwar natürlich bereits aus ähnlich gestalteten Filmen und Serien. Doch die von der Zielgruppe bereits ganz gut angenommenen farbenfrohen und robusten He-Man-Actionfiguren erlebten durch den Cartoon einen nie geahnten Boom.

In kaum einem Kinderzimmer sowohl in Übersee als auch im europäischen Raum fand man damals keine der mit viel Liebe designten Plastikmännchen, die die lieben Kleinen aus dem TV kannten und im Laden lautstark für zuhause einforderten. Das in der Serie von Bösewicht Skeletor immer wieder belagerte Schloss Grayskull war der heilige Gral unter dem Weihnachtsbaum, dessen strahlender Empfang bis heute viele Familien-Fotoalben ziert. Aber auch die Charaktere, deren Plastikversion mit Gimmicks wie Mini-Comics als Beilage, aufziehbarem Motor und austauschbaren Köpfen aufwarteten, beflügelte die Fantasie der Vor-Internet-Generation. Mit meinen Cousins mit Orko und He-Man zu spielen und im Garten, mit meinem imaginären Schwert hoch in die Luft gestreckt, He-Mans Zauberformel „Bei der Macht von Grayskull! Ich habe die Kraft!“ über den Hinterhof zu schmettern … Diese Erinnerungen prägten eine ansonsten einsamen Kindheit.

Als 1985 mit der Folge-Serie She-Ra – Prinzessin der Macht He-Man eine Zwillingsschwester angedichtet bekam und Mattel weitere erfolgreiche Spielzeug-Wellen in die Läden brachte, waren auch noch viel mehr kleine Mädchen als vorher wie ich von der Welt von Eternia begeistert. She-Ra als eine der wenigen damaligen weiblichen Cartoon-Helden galt zu dieser Zeit als Feminismus-Ikone; nicht umsonst fragen Fans bereits vor der Veröffentlichung des Reboots nach He-Mans Schwester, deren Auftritt in einer potentiellen Fortsetzung von Regisseur Travis Knight (Bumblebee) auch bereits fest angekündigt wurde.

Doch vor der Aussicht auf solche Zukunftsmusik muss der aktuelle Streifen erst einmal den beispiellosen Erfolg von damals wiederholen. Und das stellt Mattel einmal mehr vor eine Mammut-Aufgabe.

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit

So sehr meine Generation erwähnte Serien und Spielzeuge einst feierte, so sehr ist das Franchise seit Ende der 1990er in Vergessenheit geraten. Besieht man sich die bisherigen Versuche, es wiederzubeleben, fragt man sich als Nicht-Cineast vermutlich im Moment, warum gerade diese Marke aus der Versenkung geholt wird und werden soll.

Zwar gab es über die Jahre einige Nachfolge-Serien des Cartoons, die mal mehr, mal weniger Erfolg hatten. Die neuen Abenteuer des He-Man (1990) entfernte sich als in der fernen Zukunft und weit weg von Eternia angesetzte Fortsetzung viel zu sehr von beliebten Charakteren, um zu begeistern. He-Man and the Masters of the Universe (2002) war inhaltlich und optisch von allen Fortsetzungs-Versuchen sicher der, die am meisten einschlug, konnte sich in Zeiten, als das Internet gerade groß wurde und klassisches Spielzeug zu verdrängen begann, jedoch auf Dauer nicht durchsetzen. He-Man and the Masters of the Universe (2021) ging auf Netflix trotz guter Kritiken vergleichsweise unter. Kevin Smiths (Dogma) ehrgeizige Projekte mit den Untertiteln Revelation (2021) und Revolution (2024) fesselten zwar viele Fans, nicht zuletzt dank Zugpferden als Sprecher wie Mark Hamill (Star Wars), Sarah Michelle Gellar (Buffy – Im Bann der Dämonen), Lena Headey (Game of Thrones) und William Shatner (Star Trek). Auf Dauer konnte sich jedoch auch dieses Projekt schwer durchsetzen, da der Fokus anfangs auf den weiblichen Nebencharakter Teela gerichtet wurde und die Drehbücher viel Kritik abbekamen.

Nicht zuletzt versuchte Netflix 2018 auch She-Ra in Cartoon -Form wiederzubeleben, zog sich aber bei Alt-Fans genau wie einst das erste Reboot mit zu großen inhaltlichen Änderungen einen gewaltigen Schiefer ein.

Über den bisher einzigen Versuch einer Masters of the Universe-Realverfilmung von 1987 soll an dieser Stelle aus damaligen Budgetgrenzen-Gründen lieber der Mantel des Schweigens gebreitet werden. Mit einer Geschichte, die hauptsächlich auf der Erde statt auf dem farbenfrohen Techno-Fantasy-Paradies Eternia spielte, lieferte dieser Streifen praktisch nichts von dem, was die Serie ausmachte. Und doch kann man ihm einen gewissen nostalgischen Wert nicht absprechen: Der Jubel war groß, als Kampfsport- und Action-Ikone Dolph Lundgren (The Expendables) bei der monumental ausgelegten Los Angeles-Premiere des Reboots vor einigen Tagen ein Zauberschwert symbolisch an Nachfolger Nicholas Galitzine (Cinderella) übergab. Da konnte man sich als langjähriger Fan ein nostalgisches seliges Grinsen nicht verkneifen.

Nicht zuletzt ist eine weitere She-Ra-Serie in Realverfilmungs-Form ist in Vorproduktion, mit einer bereits feststehenden Drehbuch-Autorin. Dass das bei diesem Franchise allerdings wenig heißen muss, mussten He-Man-Fans mehr als einmal resigniert einsehen.

Woher also kommt auf einmal ein fix und fertiger Kinofilm?

Herzensprojekt und Glücksspiel

Nun, ganz so plötzlich kommt besagter Blockbuster tatsächlich gar nicht. 2007 schon versuchte John Woo (Mission: Impossible 2) Berichten nach, auf den Nostalgie-Zug aufzuspringen. Nachdem die Rechte an dem Franchise an Mattel zurückgingen, schnappte sich Sony das Projekt von Warner, und es wurde fleißig weiter am nächsten Realfilm gearbeitet. Kreative Unstimmigkeiten und Verpflichtungs-Überschneidungen der Mitwirkenden bremsten die Produktion jedoch immer wieder ein. Es gab Personalwechsel nach Personalwechsel. Twilight-Hottie Kellan Lutz war sogar schon einmal als Hauptrolle im Gespräch, David S. Goyer (Batman Begins) galt um 2017 als vielversprechende Autoren-Aussicht mit der nötigen Superheldenexpertise. Ein episches Abenteuer im Der Herr der Ringe-Stil wurde versprochen. Stattdessen verließ mit Noah Centineo (Black Adam) als nächstes ein sogar schon fest gecasteter Schauspieler das Projekt. Kyle Allen (Space Oddity) teilte 2023 sein Schicksal, und Netflix verlor mal eben 30 Millionen bereits auf den Film verwendete Dollar.

Ein He-Man-Film galt rund 40 Jahre, nachdem der Cartoon an den Start ging, als der Inbegriff eines Projekts, das in der sogenannten Development Hell feststeckt.

Und dann schaltete sich 2023 mit Amazon MGM einer, wenn nicht der größte neue Geldgeber ein. Mit Knight kam 2024 ein Regisseur an Bord, der die Liebe zum Actionfiguren-Spektakel der Millennials teilt. Die Skepsis aber nach so vielen Absagen und Enttäuschungen blieb. Die Hauptbesetzung des versprochenen neuen Streifens bestand größtenteils aus wenig bekannten Namen. Idris Elba (Thor) liefert zwar ein wenig Star-Power, mit Morena Baccarin (Firefly – Der Aufbruch der Serenity) kommt Kult-Nostalgie dazu. Der von Skandalen verfolgte Jared Leto (Morbius) in der geliebten Rolle des Skeletor gecastet jedoch verpasste selbst vorsichtigem Interesse bei vielen wieder einen Dämpfer. Nachdem der erste Trailer zum aktuellen Film zwar optisch und tonal nicht schlecht ankam, jedoch enthüllte, dass schon wieder zumindest ein Teil der Handlung auf der Erde spielen würde, sank bei vielen Serien- und Filmliebhabern die Lust auf noch mehr He-Man ins Bodenlose. Dazu der unterirdische Starttermin – eingepfercht zwischen einer Mortal Kombat-Fortsetzung, einer weiteren Geschichte aus dem Star Wars-Universum und neuem Scary Movie-Klamauk bleibt dem geneigten Kinogänger in Zeiten von finanzieller Belastung allerorts nur wenig Antrieb, einem so totgesagten Franchise auch noch eine Chance zu geben.

Doch ganz der für ein Cartoon-Franchise ungewöhnlich düsteren Prämisse ihres eigenen Films folgend, in dem Skeletor anders als zu Serien-Zeiten sein Ziel tatsächlich erreicht und Eternia fest in seinen dunklen Klauen hat, einer Prämisse, laut derer das Volk genauso verzweifelt wie stur auf einen Hoffnungsschimmer wartet, stellen sich auch MGM und Knight völlig unbeirrbar all diesen Widrigkeiten. Statt wie es bei vielen anderen Produktionen in der jüngeren Vergangenheit der Fall war, im letzten Moment mit dem fertigen Produkt auf Streaming-Dienste auszuweichen oder die bereits horrenden Produktionskosten von rund 200 Millionen Dollar wenigstens nicht noch um größere Summen für Vermarktung zu erweitern, fährt Masters of the Universe 2026 mit dem ganz großen Programm auf, um potentielle Fans (zurück) ins Boot zu holen.

© Discussing Film
© Discussing Film

Für die Los Angeles-Premiere wurde nicht nur ein lebensgroßes Schloss Grayskull vor dem Kino aufgebaut. Am Tag danach stellte eine Drohnen-Show mit 1600 Geräten mal eben einen neuen Guinness-Weltrekord auf: Leuchtende Abbilder der Hauptfiguren des Films zeichneten sich minutenlang über dem Hollywood Forever Cemetery ab. Nicht zuletzt eine Hommage, die vor allem die Augen von unzähligen betagteren Filmfreunden leuchten ließ. Wer hätte sich zu Zeiten von Lundgrens Billigstreifen vorstellen können, dass ein Auftritt hoch am Himmel wie der von He-Mans Widersacher im Film eines Tages im realen Leben stattfinden könnten? Und es geht weiter: Für weitere Premieren wurden riesige Sandschlösser im Grayskull-Stil oder ein riesiger He-Man-Blitzableiter errichtet. Zum Filmgenuss gibt es verschiedene Popcorn-Becher in Form der Figuren. In den USA werden gleich die passenden Donuts dazu geliefert. Die Spielzeugläden weltweit sind gefüllt mit den alten Actionfiguren und neuen zum Film. Plastik-Zauberschwerter, Hoodies und T-Shirts in den gängigen Geek-Läden hierzulande dürfen natürlich auch nicht fehlen. Selbst in Berlin gehen in diesen Tagen die Stars wieder einmal über den Roten Teppich, nachdem die Premierenszene außerhalb der USA durch und seit Corona eigentlich schwer gelitten hat.

donuts copyright Krispy Kreme
© Krispy Kreme

Man muss sich bei einem Produkt aus dem Hause Amazon zwar nun nicht fragen, woher das Geld für solche Aktionen kommt. Aber vielleicht, ob man dieses mit Gewalt und buchstäblich in den Sand setzen will. Die Filmemacher gehen hier ein nicht unbeträchtliches Risiko ein, und das, obwohl die ersten Einspielergebnis-Prognosen erwartungsgemäß wenig erfreulich sind. Nach einigen Fan-Vorpremieren sind zudem zwar viele positive erste Reaktionen auf den Film zu lesen, und große US-Medien hoffen auf einen Überraschungserfolg, doch ein Oscar-prämiertes Meisterwerk erwartet naturgemäß niemand.

Masters of the Universe (2026) wird entweder der teuerste Flop des Jahres oder überrascht das Publikum und vor allem die Nörgler eiskalt von hinten. Im Moment ist beides möglich, und das macht dieses Kinojahr für mich zumindest um einiges spannender als viele der letzten zusammen.

Ich hoffe, dieser Artikel hilft dabei, einige mit diesem hibbeligen Gefühl anzustecken.

Streaming-Tipp vor dem Filmgenuss

Falls euer Interesse geweckt ist, euer Erinnerungsvermögen bezüglich He-Man euch aber womöglich im Stich lässt, lege ich euch nachstehend noch einige Episoden der originalen Cartoon-Serie ans Herz, deren Genuss übrigens zumindest in der Originalversion auf YouTube in guter Qualität kostenfrei möglich ist. Ich wünsche uns allen viel Spaß im Kino und freue mich, bald hoffentlich wieder einige Kinder mit gewissen Actionfiguren in der Hand auf dem Spielplatz zu entdecken.

Diamond Ray of Disappearance: In der Pilot-Episode des Original-Cartoons werden die Charaktere leicht verständlich vorgestellt.

Teela’s Quest: He-Mans beste Freundin und gelegentlicher Flirt, der Captain der königlichen Garde, wird näher vorgestellt und eine überraschende Verbindung von ihr und He-Mans Mentorin, der Zauberin, enthüllt.

Prince Adam No More: Die Schwierigkeiten einer Geheimidentität werden emotional erläutert, als Prinz Adam versucht, sich ohne seine Superkräfte vor seinen Eltern zu beweisen.

Teela’s Trial: Auch in dieser Episode beweist die Serie, das sie schon damals als vorbildlich galt, was starke Frauenbilder angeht.

Origin of the Sorceress: Wie der Name schon verrät, erfährt der Zuschauer mehr von He-Mans Mentorin in Schloss Grayskull.

Into the Abyss: Auch in dieser Episode wird das Verhältnis zwischen He-Man und Teela näher beleuchtet, das auch im kommenden Film ein Highlight werden soll.

The Rainbow Warrior: Diese Episode birgt einige Überraschungen bezüglich der Herkunft von Adams/He-Mans Mutter, welche in der Neuverfilmung von nicht unwesentlicher Bedeutung ist.

Battlecat: In dieser Episode wird erzählt, warum Adams feiger grüner Tiger zu seinem mächtigen Reittier wird, wenn er sich in He-Man verwandelt.

Teela’s Triumph: Diese Episode setzt die Geschichte von Teela und der Zauberin fort, die beide große Rollen im kommenden Film spielen.

The Problem with Power: In der sicher erwachsensten Episode der Serie wird He-Man von Skeletor ausgetrickst und gibt seine Kräfte für kurze Zeit auf.

In diesem Sinne: Wir haben die Macht!

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