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Humberg kommentiert Doctor Who: Ist zufällig ein Arzt, äh, Doctor im Saal? – Warum das britische SF-Flaggschiff dringend Erste Hilfe benötigt

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Christian Humberg kommentiert die aktuelle Entwicklung rund um „Doctor Who“.

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Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe, dabei hatten es die Spatzen längst vom Dach der TARDIS gepfiffen: Showrunner Russell T. Davies und Produktionsfirma Bad Wolf verlassen Doctor Who. Das altehrwürdige Flaggschiff britischer Fernseh- und Kinder-SF steht einmal mehr ohne Besatzung da, die es leiten und lenken könnte, vom kreativen Gestalten ganz zu schweigen. Selbst das traditionelle Christmas Special – eine schon vor Monaten angekündigte Sonderfolge zum Weihnachtsfest, das den Cliffhanger der letzten regulären Episode hätte auflösen sollen – wurde abgesagt. Sang- und auch klanglos. Was war geschehen?

Ein Blick zurück

Es war 2023, als der Doctor seinen bis dato neuesten Neustart wagte: Niemand Geringeres als Russell T. Davies und Bad Wolf, die die Serie bereits 2005 kongenial (und mit viel Gespür für den etablierten Kanon) rebootet hatten, wurden von Seiten des Rechteinhabers BBC angeheuert, um noch einmal ein solches Wunder zu schaffen und das in die Jahre gekommene Prestigeobjekt aus dem Quotenkeller zu hieven. Insbesondere die zurückliegenden Staffeln mit Peter Capaldi und Jodie Whittaker in der Titelrolle hatten DW nämlich einiges an Zuschauern gekostet und – im Falle von Whittaker, der ersten Darstellerin als regulärer Doctor – auch viel misogynen Hass und Häme in den sozialen Medien eingebracht. (Dass nicht die Darstellerin das Problem war, sondern die Drehbücher und das geschrumpfte Produktionsbudget ließen die selbsternannten Kritiker – und Bots – selbstredend aus.)

Nun also ein neuer Neustart – mit dem alten, erfolgsverwöhnten Dreamteam von 2005, das die Serie bereits damals aus einem Dornröschenschlaf wecken und zu bis dato ungeahnten Erfolgen führen konnte. Die BBC ließ sich nicht lumpen, der Wille war da. Und doch …

Die Akte Micky Maus

Die Probleme begannen bereits in der Konzeptphase. Denn die gute alte Tante BBC, wie die Briten ihren öffentlich-rechtlichen Sender so gerne nennen, gab Davies nicht nur relativ freie Hand bei der erhofften Zukunftsgestaltung, sie konfrontierte ihn auch mit derselben finanziellen Misere, die schon seinem Vorgänger (und Nachfolger) als Showrunner, Chris Chibnall, in den Whittaker-Jahren zum Stolperstein geworden war: Das Budget reichte vorne und hinten nicht mehr für eine Produktion, die sich visuell mit all dem messen konnte, was die TV-Science Fiction unserer Zeit anderswo so auf die Mattscheiben brachte.

Die BBC, einst krisensicherer Koloss am Medienhimmel, sah – und sieht – sich gesellschaftlichem wie politischem Druck ausgesetzt, auch aus rechten Kreisen. Mittel wurden – und werden – gekürzt, die gesellschaftliche Achtung nimmt ab. Entsprechend enger werden die hauseigenen Gürtel bei der BBC seitdem geschnallt, diverse Produktionen eingestellt, Mitarbeiter gegangen. Wie sollte man da noch einen neuen Doctor Who finanzieren?

Davies‘ Lösung? Ausländische Produktionspartner! Internationale Märkte! Große Brötchen backen!

Entsprechend emsig ging man hausieren mit der Marke, suchte in Übersee und speziell bei den Streamingdiensten neue Geldgeber. Davies, seit Kindertagen ein bekennender Fan des Formats, stellte sich das Doctor Who der Zukunft global vor, nicht lokal. Als ein Franchise, das auf Augenhöhe mit den all den Sternenkriegern, Enterprise-Captains und Stargate-Commandern existieren konnte. Bei Disney+ fand er seine Mitstreiter. Und in Ncuti Gatwa, einem aufstrebenden Star, der gerade mit der Netflix-Serie Sex Education international auf sich aufmerksam gemacht hatte, fand er seinen idealen Hauptdarsteller: jung, angesagt, global etabliert – und ein großes Talent!

Die Vorzeichen standen also gut, dass aus dem Projekt „Bad Wolf 2.0“ etwas wird. Und doch stand es von Anfang an auf wackligem Fundament. Davies hatte sich verhoben.

Denn große Produktionspartner erwarten auch große Abrufzahlen, und Doctor Who ist kein und war auch noch nie ein zweites Star Wars. Micky Maus hatte sich eine Marke eingekauft, die den Erwartungen nicht gerecht werden konnte, und so war nach nur zwei Staffeln – die künstlich gekürzt worden waren, um parallel auch noch eine (geplant: erste; faktisch: einzige) neue Spinoff-Serie zu finanzieren – auch schon wieder Schluss mit dem Geld aus Entenhausen. Während wir diesen Artikel online stellen, ist die erwähnte Spinoff-Serie „The War Between The Land and The Sea“ noch immer nicht bei Disney+ Deutschland angelaufen, dabei hatte die BBC sie bereits im Dezember 2025 terrestrisch im UK ausgestrahlt. Wenn die Maus raus ist, ist die Maus raus.

Fake it until you make it

Der Schock muss bei den Verantwortlichen doch recht tief gesessen haben, so mag man im Nachhinein sagen. Gerade einmal 26 Episoden hatte der Disney-Deal getragen, und schon war Feierabend. Und was vielleicht noch schwerer wog: Einmal mehr erging sich das Internet in wildesten Spekulationen über die Gründe für die Misere.

Zwar kündigten Bad Wolf, Davies und auch die BBC nach Bekanntwerden des Disney-Exits ebenso prompt wie vollmundig an, der Doctor bliebe auch ohne die Maus in guten Händen und sehe einer gesicherten, erfolgreichen Zukunft entgegen, doch erwiesen sich all diese Ankündigungen schnell als heiße Luft. Einen richtigen Plan, wie es auch ohne Hollywood auf wettbewerbsfähigem Niveau weitergehen konnte, hatte niemand. Augenhöhe war gestern.

Dabei blieb auch die Frage offen, woran es letztendlich gelegen hatte. Ncuti Gatwa hatte – auch für Bad Wolf überraschend – schon am Ende seiner zweiten Staffel verkündet, nicht länger für die Serie zur Verfügung zu stehen. Weshalb? Wurde er zu erfolgreich, um sich ein nerdiges Franchise ans Bein zu binden? Und hatte Disneys Rückzug mit dem von Gatwa zu tun oder umgekehrt? Wer geht zuerst, die Henne oder das Ei? Der Fan blieb ratlos zurück, Antworten blieben aus.

Fest steht jedenfalls, dass Gatwas Ende so plötzlich über die Produktion hereinbrach, dass Showrunner Davies das geplante Staffelfinale kurzerhand und sichtlich in Eile umschreiben musste, wodurch es einiges an Sinn verlor und insbesondere der nostalgisch gedachte Cameo-Auftritt der Darstellerin Carol Ann Ford, die schon in den allerersten DW-Episoden überhaupt mitwirken durfte, komplett verpuffte.

Und noch immer tat man so, als wäre das alles kein Problem. Ein Christmas Special wurde versprochen, für die Weihnachtszeit 2026 und geschrieben von Davies persönlich, das alle offenen Fragen klären und die Weichen dann eben für eine neue neue Serienzukunft stellen würde – auch ohne Disney+. Davies erblödete sich auch nicht, in seinem spontan zusammengeschusterten Behelfsende der Ära Gatwa/Disney auch noch Schauspielerin Billie Piper auftauchen zu lassen, die eine der tragenden Säulen des 2005er-Erfolges gewesen war. Piper sollte den Fans erst recht suggerieren, dass hier ein großer Plan am Wirken sei und ihre Aufmerksamkeit nach wie vor berechtigt.

Und jetzt das!

Doch: Außer Spesen nix gewesen. Mit dem 10. Juni 2026 und einer offiziellen Pressemeldung von Seiten der Verantwortlichen sind Bad Wolf, Russell T. Davies und alle Pläne, die dieser vielleicht (!) noch gehabt haben mochte, Makulatur. Zwar existieren bereits einige Drehbuchentwürfe für die erwähnte Weihnachtsfolge – wie Serienkomponist Murray Gold unklugerweise bereits bestätigt hatte und Davies nun ebenso prompt wie offensichtlich dementierte –, doch will die BBC den klaren Schlussstrich. Doctor Who soll auf ihren Wunsch hin alte Zöpfe abschneiden und neue Wege beschreiten. Wege, die, so darf man annehmen, den neuen finanziellen Realitäten entsprechen. Sparbrötchen statt große Brötchen.

Was bedeutet das für die Zukunft, was für die Cliffhanger des überhasteten Gatwa-Endes? Darstellerin Billie Piper, die seit Jahren auf Conventions mit der Frage konfrontiert wird, was ihr Auftritt in der bislang letzten Episode der Serie bedeuten sollte, wird jetzt erst recht keine Antwort mehr darauf geben können. Denn: Wer auch immer da irgendwann übernimmt, tut gut daran, sich einen feuchten Dalek-Dreck um die Altlasten der Ära Davies zu scheren. Das ist schade für die Fans, die zumindest narrative Antworten verdient hätten.

Ein hoffnungsvoller Ausblick

Aber: Wenn Doctor Who tatsächlich neu aufblühen soll, muss es sich von den Fehlern der jüngeren Vergangenheit lösen und sich – so hart das auch klingt – komplett neu erfinden. Mit dem Budget, das zur Verfügung steht, und mit Jahrzehnten voller geliebter und gelebter Historie im Rücken. Nur so dürfte es der Serie gelingen, das Chaos seiner jüngeren Vergangenheit abzuschütteln.

Es ist beschämend, dass die BBC das erst jetzt öffentlich zugibt. Was immer jetzt hinter den Kulissen geschieht, hätte nämlich schon vor Monaten angegangen werden können – mit ein wenig mehr Klarheit und Zukunftsvison. Und trotzdem bleibt es dabei: Wenn es ein Franchise gibt, dass diesen Reboot schaffen kann, dann Doctor Who. Wünschen wir ihm, dass es schon alsbald den Weg in die Zukunft findet.

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