Seit ihrer Kindheit ist Sophia De Winter durch einen magischen Vertrag an ihren grausamen Onkel, den Sammler, gebunden. Für ihn muss sie meist illegale Aufträge durchführen und spezielle Zielpersonen ausfindig machen, die allzu oft seinen dunklen Machenschaften zum Opfer fallen und manchmal sogar mit dem Leben dafür bezahlen müssen. Ihre einzige Freundin ist die alte Dolly, die ebenfalls für den Sammler arbeitet, aber auch eine Art Mutterfigur für Sophia ist, deren Eltern gestorben sind, als sie vier war. Über ein Armband ist Sophia mit Blutmagie an ihren Onkel gebunden: Er sieht jederzeit, wo sie sich aufhält, und sie kann sich nur innerhalb der Stadtgrenzen bewegen.
Ein Entkommen scheint unmöglich, bis Sophia von der magischen Elite-Akademie Killmarth erfährt, an der die Magiewirker ausgebildet werden. Killmarth hat Schutzrunen, die jede fremde Magie aussperren und das Eindringen feindlicher Mächte verhindern. Sophia erkennt darin ihre Chance, der Knechtschaft durch den Sammler zu entkommen, und erschleicht sich den Zugang zur Feuerprobe, der Aufnahmeprüfung für alle Hoffnungsvollen, wie die zukünftigen Studenten von Killmarth genannt werden. Alles an dieser Prüfung ist geheimnisvoll und mysteriös und – wie Sophia schnell erkennen muss – auch potentiell tödlich. Um die Feuerprobe zu bestehen, setzt Sophia alles auf eine Karte und lässt sich auf ein Bündnis mit Alden Locke, einem Botaniker aus einer alten magiewirkenden Familie ein. Sie ist bereit, jedes Risiko einzugehen, um sich aus den Fängen des Sammlers zu befreien. Doch kann sie Locke trauen? Und was, wenn in Killmarth selbst eine noch viel tödlichere Gefahr auf sie wartet? Nur 20 Studenten werden pro Jahr an der Akademie aufgenommen, und wer nicht bei einer der drei Ordeals stirbt, die die Hoffnungsvollen in Killmarth dafür bestehen müssen, läuft Gefahr, von seinen zukünftigen Kommilitonen umgebracht zu werden: Die Konkurrenz schläft nicht.
Buffy the Vampire Slayer trifft auf Dark Academia
Rachel Greenlaw hat bereits mit The Woodsmoke Women’s Book of Spells für Aufmerksamkeit gesorgt und legt nun mit der Duologie über die Killmarth Academy nach. Ihre Heldin Sophia de Winter ist alles andere als perfekt. Sie fristet ein eher geknechtetes Dasein als magische Kleinkriminelle, die im Auftrag ihres Onkels spionieren, stehlen und betrügen muss. Als sie ihre Chance gekommen sieht, dieser Gefangenschaft zu entkommen, greift sie instinktiv zu, muss aber bald feststellen, dass sie womöglich nicht alle Konsequenzen und Gefahren bedacht hat: Sie kann Magie erkennen und entflechten, ist aber nicht besonders gut darin, selbst eine Illusion aufrecht zu erhalten.
Allerdings hatte sie auch nicht wie ihre Mitbewerber den Vorteil einer jahrelangen magischen Ausbildung und stammt auch nicht aus einer angesehenen magischen Familie. Auch ist sie nur eine Illusionistin und übt damit – neben den Alchemisten, den Botanikern und den Maskierern – nicht unbedingt die stärkste der magischen Künste aus. Durch ihr Bündnis mit Alden Locke hofft Sophia ihr Ziel – die Aufnahme als Studentin an der Academy – zu erreichen. Aber kann sie ihm letztlich trauen? Wird er zu ihr halten oder sich als tödlicher Rivale entpuppen? Wird sie die große Liebe oder den Tod finden?
Literarisch ist The Ordeals eher nicht preisverdächtig, dafür aber temporeich und mit zahlreichen unerwarteten Wendungen extrem spannend und rasant erzählt. Die magische Welt ist gut gelungen und wird auch im zweiten Band garantiert noch einiges an Geheimnissen und Rätseln zu bieten haben. An ein paar Stellen kann man den Harry Potter-Vibes nachspüren, aber mit der heimeligen Atmosphäre von Hogwarts hat Greenlaws Killmarth Academy – das Kill ist Programm! – absolut gar nichts zu tun: Hier werden die Studenten schon in der Aufnahmeprüfung mit den tödlichsten Gefahren konfrontiert, gemäß dem Motto »Friss oder stirb«, und die Schulleitung schaut zu, wer am Ende übrigbleibt. Eine Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen, aber der Gruselfaktor kommt dabei auf keinen Fall zu kurz, und der Body Count steigt ebenso rasant an wie die Spannungskurve. Wer gelungene Unterhaltung sucht, kann hier guten Gewissens zugreifen und wird das Buch kaum aus der Hand legen können. Der zweite Band ist auf Englisch schon für Oktober 2026 angekündigt und soll den Titel The Divines tragen.
Ein echtes Schmuckstück
Wie immer bei der Hobbit Presse ist das Buch sehr schön und aufwendig gestaltet und auf jeden Fall ein echtes Schmuckstück im Bücherregal: Die limitierte Erstauflage ist rundum mit einem angemessen dunklen Farbschnitt verziert und ebenso wie der Schutzumschlag mit einem Gold schimmernden Druck versehen. Ein echter Hingucker ist die golden geprägte Buchdecke, die den Slogan »Alte Magie, neue Mächte, tödliche Prüfungen« trägt. Auf Vor- und Nachsatz sind die vier magischen Künste erklärt.
