Als Gene Roddenberry Anfang der 1960er Jahre seine bahnbrechende Space Opera Star Trek – Raumschiff Enterprise entwickelte, stellte er sich neben einer charismatischen Besetzung der Hauptrollen auch einen weiteren Star seiner Weltraumserie vor. Die Charaktere sollten auf nicht weniger als dem interstellaren Flaggschiff des Planetenbundes namens Föderation ihren Dienst verrichten.
Ursprünglich sollte dieses von Matt Jefferies entworfene Raumschiff in Gene Roddenberrys Vision den Namen Yorktown tragen. Dieser Name war angelehnt an den amerikanischen Flugzeugträger USS Yorktown (militärische Kennung CV-5) aus den 1930er Jahren, der im Mai 1942 bei der Schlacht um Midway von einem japanischen U-Boot versenkt wurde sowie einen nachfolgenden Träger, der auf der während des Baus im Jahr 1942 zu Ehren des versenkten Vorgängerschiffes von USS Bon Homme Richard in USS Yorktown umbenannt wurde.
Diese Yorktown (Kennung CV-10) stand zu Zeiten der Planungen der Fernsehserie Star Trek im aktiven Dienst der US Navy und nahm ab Mitte der 1960er Jahre an mehreren Einsätzen vor Vietnam teil, ehe ihr Ende 1968 die besondere Ehre zu Teil wurde, die Raumkapsel der Apollo 8-Mondmission (der erste Flug um den Erdtrabanten) und ihre dreiköpfige Besatzung nach der Wasserung aus dem Pazifik zu bergen. Das 265 Meter lange Schiff wurde im Jahr 1970 aus dem aktiven Navy-Dienst entlassen und kann seit 1975 in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina besichtigt werden.

Flugzeugträger Enterprise
Vor dem Beginn der Dreharbeiten an Star Trek entschied sich Gene Roddenberry allerdings für eine Umbenennung seines fiktiven Raumschiffes von Yorktown in Enterprise. Der Grund hierfür lag in Roddenberrys Faszination für den Flugzeugträger USS Enterprise (CV-6), bei dem es sich um ein fast baugleiches Schwesterschiff der ersten Yorktown handelte, das den Zweiten Weltkrieg als das am höchsten dekorierte Marineschiff der US Navy überstand.
Da die Yorktown vor der Enterprise und dem nachfolgenden Schwesterschiff USS Hornet (CV-8) gebaut wurde, spricht man bei dem Schiffsentwurf von der Yorktown-Klasse. Bei den meisten Marinen der Welt erhält ein neuer Schiffsentwurf den Namen des ersten fertiggestellten Schiffes, so dass alle nachfolgenden Schiffe dieser nach dem ersten Schiff benannten Schiffsklasse angehören – folglich gehört die Enterprise (Name des einzelnen Schiffes) zur Yorktown-Klasse (Name des Schiffsentwurfes im Ganzen).

Die am 12. Mai 1938 in Dienst gestellte Enterprise war 246 Meter lang, 33,2 Meter breit, hatte einen Tiefgang von 7,9 Metern und verdrängte vollbeladen rund 32.000 Tonnen. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs war die Enterprise die schwimmende Heimat von circa 2.200 Männern und hatte bis zu 96 Flugzeuge an Bord.
Nachdem der Flugzeugträger an allen bedeutenden amerikanischen Marine-Operationen im Zweiten Weltkrieg teilgenommen hatte, wurde er im Februar 1947 außer Dienst gestellt. Aufgrund der geschichtlichen Bedeutsamkeit des Schiffes wurde von verschiedenen Organisationen versucht, die Enterprise als schwimmendes Museumsexponat zu erhalten.

Alle diese Versuche scheiterten jedoch und der historisch wichtigste Flugzeugträger der US Navy – der bei dem im Zweiten Weltkrieg als Bomberpilot tätigen Gene Roddenberry einen großen Eindruck hinterlassen hatte – wurde ab Sommer 1958 verschrottet. Wer heute den ersten Flugzeugträger namens Enterprise im Rahmen eines Spielfilms in Aktion (wenn auch als aufwendige digitale Rekreation) sehen möchte, dem empfiehlt der Verfasser den Kinofilm Midway des deutschen Regisseurs Roland Emmerich aus dem Jahr 2019 (der es allerdings mit den geschichtlichen Fakten nicht so genau nahm).
Enterprise Nr. 2
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat das Düsenflugzeug überall auf der Welt seinen Siegeszug im zivilen wie auch im militärischen Bereich an. Die Düsenjets hielten auch in der Marinefliegerei ihren Einzug und ersetzten ab Ende der 1940er Jahre die kolbengetriebenen Propellerflugzeuge fast vollständig auf den Flugzeugträgerdecks. Die Flugdecks der bisherigen Trägerschiffe erwiesen sich allerdings für den effizienten und vor allem sicheren Betrieb von Jetflugzeugen als nicht groß genug, weshalb die US Navy im Verlauf der 1950er Jahre vier riesige als „Supercarrier“ bezeichnete Flugzeugträger der Forrestal-Klasse in Dienst stellte.
Auf die Forrestal-Klasse folgten 1961 die verbesserte Kitty Hawk-Klasse mit den Schiffen USS Kitty Hawk (CV-63) und USS Constellation (CV-64), ehe im gleichen Jahr die von acht(!) Atomreaktoren angetriebene USS Enterprise (CVN-65) in Dienst gestellt wurde, bei der es sich zweifellos um den weltweit bekanntesten Flugzeugträger des 20. Jahrhunderts handelte. Möglich wurde diese Dreifach-Indienststellung, da für den Bau der Träger drei Werften zum Einsatz gekommen waren.

So entstand die Kitty Hawk bei New York Shipbuilding in Camden, New Jersey, während die Constellation bei der New York Navy Yard in Brooklyn gefertigt wurde. Die Enterprise entstand wie alle späteren Nuklearträger bei Newport News Shipbuilding in Virginia – andere Werften mit der Fähigkeit zum Bau von großen Flugzeugträgern sind heute in den USA nicht mehr vorhanden.
Da die Enterprise weit über den veranschlagten Kosten lag, wurden die Planungen für den Bau von bis zu fünf weiteren Schiffen der Enterprise-Klasse durch den US-Verteidigungsminister Robert McNamara gestoppt, der eine persönliche Abscheu gegen die US Navy gehabt haben soll. Mit einer Länge von 342 Metern, einer Breite von 78,4 Metern, einem Tiefgang von 12 Metern und einer Wasserverdrängung von knapp 95.000 Tonnen bei voller Beladung war die Enterprise seinerzeit das größte jemals gebaute Marineschiff.

Während ihrer Dienstzeit von 1961 bis 2012 galt die nuklear angetriebene Enterprise als Flaggschiff der amerikanischen Marine (was die Rolle des gleichnamigen Raumschiffs Enterprise mit der Sternenflottenkennung NCC-1701 als Flaggschiff der Föderation in Star Trek wiederspiegelt) und diente während eines Einsatzes bis zu 5.800 Besatzungsmitgliedern und rund 90 Flugzeugen als schwimmender Stützpunkt, auf dem es einen eigenen Supermarkt, einen Fernsehsender, ein Kino sowie eine Kapelle gab.
In den fünf Jahrzehnten ihrer Dienstzeit war die Enterprise an allen „Hotspots“ der amerikanischen Außenpolitik vertreten und in militärische Operationen vor den Küsten von Vietnam, Nordkorea, Irak, Libyen und Afghanistan beteiligt. In ihrer Jahrzehnte langen Dienstzeit war die Enterprise auch immer wieder in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, einer der bekanntesten Auftritte fand jedoch 1986 in Tony Scotts Top Gun statt, der Fliegerfilm, der die Karriere von Superstar Tom Cruise erst so richtig in Gang brachte.

Interessanterweise wurden die meisten Szenen, die auf der Enterprise spielen, auf der konventionell angetriebenen USS Ranger (CV-61) der Forrestal-Klasse gedreht (die bezüglich ihres Äußeren große Ähnlichkeit mit der Enterprise hatte). Im gleichen Jahr hatte die Enterprise ebenfalls ihre legendäre Rolle in Star Trek IV – The Voyage Home, in dem der Flugzeugträger in seinem damaligen Heimatstützpunkt in Alameda (an der Bucht von San Francisco gelegen) der zeitreisenden Enterprise-Crew des 23. Jahrhunderts als Energiequelle für ihren gestohlenen klingonischen Bird of Prey dient.
Auch der Star Trek-Filmcrew stand die Original-Enterprise nicht zur Verfügung, weshalb wieder die USS Ranger die USS Enterprise doubelte. Modelle und Gemäldes des zweiten Flugzeugträgers mit dem Namen Enterprise sind übrigens in zahlreichen Star Trek-Produktionen zu sehen, am bekanntesten sind sicherlich das goldene Relief im Konferenzraum der Enterprise-D in Star Trek – The Next Generation und ein Gemälde im Bereitschaftsraum von Captain Archer in Star Trek: Enterprise.

Enterprise die dritte
Die zweite Enterprise wurde im Dezember 2012 nach rund 51 Dienstjahren in Norfolk, im US-Bundesstaat Virginia, feierlich außer Dienst gestellt. Noch während der Inaktivierungszeremonie verkündete der damalige Marineminister Ray Mabus, dass ein zukünftiger Flugzeugträger der neuen Gerald R. Ford Klasse den Traditionsnamen Enterprise tragen wird. Um die Entwicklungskosten überschaubar zu halten, nutzt die Gerald R Ford-Klasse den Rumpf der vorangegangenen Nimitz-Klasse (der wiederum auf dem Rumpf der vorhergehenden Enterprise aus dem Jahr 1961 basiert) als Ausgangsbasis. Allerdings wurde das Heck stark verbreitert und die Anordnung der Flugzeug- und Waffenaufzüge vollkommen neu arrangiert. 2017 wurde das Typschiff USS Gerald R. Ford (CVN-78) in Dienst gestellt, drei weitere Träger der Klasse – von der die zukünftige Enterprise das dritte Schiff sein wird – sind im Bau.
Die zukünftige USS Enterprise (CVN-80) wird 337 Meter lang sowie 78 Meter breit sein und über einen Tiefgang von 12 Metern verfügen. Das in Zukunft von zwei Atomreaktoren der Bechtel Company angetriebene Schiff ist momentan (Stand Mai 2022) zu rund 15% auf dem Gelände der Bauwerft Newport News Shipbuilding in Virginia fertiggestellt. Die offizielle Kiellegung, bei der die ersten vorgefertigten Rumpfsegmente miteinander verbunden werden, wird im Sommer 2022 erwartet, die Ablieferung an die Navy soll im Jahr 2028 erfolgen. Erstmals sind bei der Enterprise alle Konstruktionszeichnungen, in die sämtliche Erfahrungen vom Bau der Gerald R. Ford und des zweiten Trägers der Schiffsklasse, der USS John F. Kennedy (CVN-79) einflossen, nur noch digital vorhanden.
Interessanterweise wurde der Bauauftrag für die Enterprise im Rahmen einer doppelten Bestellung ausgeführt, die auch den vierten Träger der Schiffsklasse umfasst, die zukünftige USS Doris Miller (CVN-81). Wenn die künftige USS Enterprise Ende der 2020er Jahre in Dienst gestellt wird, dann wird sie nach den derzeitigen Planungen bis um das Jahr 2080 im aktiven Bestand der US Navy als eines der Flaggschiffe der amerikanischen Streitkräfte bleiben. Derzeit lässt sich noch nicht absehen, welche Fluggeräte dann an Bord stationiert sein werden. Und große Teile der kommenden Schiffsbesatzungen sind heute – im Jahr 2022 – noch nicht einmal geboren.

Im nächsten Teil dieser Artikelreihe werfen wir einen Blick auf berühmte Segelschiffe mit dem Namen Enterprise.
