Am 4. Februar 2026 veröffentlichte ich hier bei planettrek.de meine Kolumne Klartext von Prahl: Star Trek in der Krise?. Der Text führte zu kontroversen, sich über Tage hinziehenden Diskussionen, in denen man mir unter anderem vorwarf, berechtigte Kritik an Star Trek: Starfleet: Academy auszublenden und sogar in Bezug auf das derzeit oft toxisch geprägte Fandom in den sozialen Netzwerken entweder zu übertreiben oder sogar zu lügen. Doch ist dem wirklich so?
Keine Ausnahme
Beginnen wir mit der Behauptung, „antiwoke“ Tendenzen in Bezug auf Star Trek: Discovery wären eine Ausnahmeerscheinung, die dazu genutzt wird, Fans ihre berechtigte Kritik abzusprechen. Natürlich müssen wir differenzieren, wenn wir über Fankritik in den sozialen Netzwerken reden, wenn, dann allerdings auch ehrlich. Seit der Veröffentlichung meiner Kolumne beantworte ich täglich Posts, analysiere Figuren und gehe sowohl auf sachlich vorgetragene, als auch äußerst aggressive Antworten ein. In dieser Zeit fertigte ich Dutzende Screenshots von Menschen an, die mir negativ auffielen.
Angefangen bei der auf einem Missverständnis beruhenden Behauptung, als Berufsjournalist sei ich ohnehin käuflich und müsste SFA schon aus diesem Grund positiv bewerten, bis hin zu eindeutig homophoben, menschenverachtenden Statements von Personen, deren Profile mir schnell verrieten, welcher Gesinnung sie entstammen. Dabei handelte es sich keineswegs um Ausnahmen, sondern um einen signifikanten Teil (nicht zu verwechseln mit der Mehrheit).
Dennoch müssen wir fairerweise festhalten, dass sich ein ebenso nicht unerheblicher Teil der Fans gegen diese – nennen wir es ein wenig pathetisch einmal – Auswüchse des Schreckens erfolgreich wehrt. Von einer echten Regulierung können wir deswegen aber leider mitnichten ausgehen. Es gilt also, die berühmte Spreu vom Weizen zu trennen und sich der Kritik anzunehmen, die sich sachlich mit dem auseinandersetzt, was gerne als schlechtes Storytelling definiert wird.
Zurückgeblickt
Beginnen wir unseren kleinen Ausflug mit der oft zu lesenden Aussage, die Figuren in Star Trek: Starfleet Academy seien sowohl sprachlich als auch in ihrem Verhalten zu stark in der heutigen Zeit verhaftet. Auf den ersten Blick ist dies ein durchaus berechtigter Einwand, doch lässt er sich auf einer Sachebene halten oder sogar ausbauen? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein wenig in die Theorie einsteigen und uns mit der Frage beschäftigen, mit was für einen Serientyp wir es zu tun haben. Im Kern ist Star Trek: Starfleet Academy eine Young-Adult-Serie im Star Trek-Gewand und nicht eine Star Trek-Serie, in der es auch um Young-Adult-Themen geht. Das von Alex Kurtzman in einem mit mir geführten Interview bestätigte Ziel ist die Generierung eines neuen, jungen Publikums, das Star Trek in die nächste Generation überführt.
Tatsache ist, dass Paramount spätestens seit den mittleren 90er-Jahre Zuschauerzahlenrückgänge hinnehmen musste. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass es bis heute keine einzige Trek-Serie in die Top-30 der für die USA wichtigen Nielsen-Ratings schaffte und die Quoten über Jahre so weit sanken, dass die letzte von Rick Berman produzierte Serie Star Trek: Enterprise nach vier Staffeln eingestellt wurde, ist es insofern erstaunlich, dass die Chefetage den Stecker nicht schon viel früher zog. Immerhin scheinen die Gesamteinnahmen aus Werbung, in- und ausländischer Verkäufe, DVD-Absätze und die Einkommensgenerierung durch diverse Lizensierungen (Brettspiele, Comics, Romane, Computerspiele, Actionspielzeug, Kleidung etc) aber stark genug gewesen zu sein, um Star Trek als Marke fest zu etablieren.
Nichtsdestotrotz stellte das Ende von Star Trek im Fernsehen und auf der Kinoleinwand ein signifikantes Problem dar, das anders als gerne behauptet nicht nur auf eine Marktübersättigung, sondern ebenso auf eine schleichend aber spürbar einsetzende Überalterung des Publikums zurückzuführen war und ist. Die Gründe dafür liegen in markttechnischen Details verborgen. Die sogenannte werberelevante Zielgruppe rekrutiert sich aus einem Publikum im Altersbereich zwischen 14 und 49 Jahren. Als Star Trek: Enterprise im Jahr 2001 startete, feierte das Franchise seinen 35. Geburtstag. Es ist leicht auszurechnen, dass sich also ein ansehnlicher Teil der älteren Fans bereits außerhalb jener Altersgruppe befand oder kurz davor war, sie zu verlassen. Das daraus resultierende Problem war evident: Star Trek benötigte eine neue Zuschauerschaft, das ist übrigens einer der Gründe, warum Enterprise als Prequel startete. Prequels haben den Vorteil, als Soft-Reboot fungieren zu können. Man setzt den Timer sozusagen auf null, um einem neu hinzukommenden Publikum den Einstieg in das fiktive Universum zu erleichtern.
Anders als kürzlich wieder behauptet, führte das wiederum nicht nur zu vereinzelter, sondern zu massiver Kritik, die ich sowohl in internationalen als auch nationalen Foren selbst miterlebte. Sie erstreckte sich von der Idee eines Sequels an sich, über die Uniformen, der zu großen Ähnlichkeit der NX-01 mit einem Raumschiff der Akira-Klasse bis hin zur Wahl der Darstellenden, wobei unter anderem Jolene Blalock im negativen Fokus der Fans stand. Die nicht endende, oft harsche Kritik, aber auch die Entscheidung, in veralteten Erzählstrukturen zu verharren, führte gemeinsam mit einigen weiteren Faktoren zum Quotentod, der auch mit dem Umstieg auf die serielle Erzählform und einem Showrunnerwechsel hin zu Manny Coto (1975 – 2023) nicht mehr aufzuhalten war.

Young Adult
Interessanterweise waren es ausgerechnet die ebenfalls von Fans stark kritisierten, sogenannten, nach dem Four-Quarter-Prinzip gestalteten, Kelvin-Timeline-Kinofilme von Roberto Orci, J.J. Abrams und Alex Kurtzman, die dem Franchise neue Impulse verliehen. Das führte zu vielleicht nicht überragenden, aber doch tragfähigen Einnahmen an den Kinokassen.
Wie dem auch sei: Der Weg führte von dort über Star Trek: Discovery zu Star Trek. Starfleet Academy, die sich aktuell ähnlich lauter Kritik wie schon Star Trek: Nemesis, Star Trek: Enterprise, die Kelvin-Filme und Star Trek: Discovery ausgesetzt sieht. Eines der vorgetragenen Hauptargumente ist jenes des „schlechten Storytellings“, wobei man sich trefflich darüber streiten kann, über welches theoretische Wissen die entsprechenden Poster verfügen.
Wer nämlich behauptet, eine TV-Episode sei dramaturgisch schlecht geschrieben und die Autoren würden mit Unkenntnis in Sachen Figurenbau und anderen theoretischen Grundlagen glänzen, sollte selbstverständlich wissen, was Dramaturgie eigentlich ist und wie ein Figurenaufbau vom theoretischen Standpunkt aus betrachtet gestaltet wird.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Wissen darum, was ein Young-Adult-Format genau ist, welchen Zweck es verfolgt und welche Stilmittel es verwendet, um das angestrebte Zielpublikum zu erreichen. Der erste Teil dieser Frage lässt sich womöglich noch relativ leicht beantworten. Das Young-Adult-Genre richtet sich offensichtlich an Jugendliche und junge Erwachsene und legt audiviosuell, inhaltlich als auch in Sachen Zeitgeist eine entsprechende Tonalität zugrunde.
Auf den Kern heruntergebrochen sind musikalisch poppig-rockige Klänge, schnelle Schnitte, eine emotional intensive Kameraführung, eine bunte, anscheinend mit althergebrachten Konventionen brechende Farbgestaltung, eine bisweilen dem Komödiantischen entlehnte, betont auf Jugendliche zugeschnittene Bildsprache, Dialoge mit aktuell von jungen Menschen verwendeten Termini und eine stark emotionalisierte Erzählweise üblich.
Mit anderen Worten: eine Young-Adult-Serie will, soll und muss das Bild der modernen Jugend in zwar fiktionalisierter, für das Zielpublikum aber nachvollziehbarer und glaubwürdiger Weise auf die TV-Bildschirme bringen. Die Verwendung bestimmter Tropen, Stereotypen, Figurenzeichnungen und Stilmittel findet sich also grundlegend in jedem entsprechenden Format, da sie das Genre sowohl theoretisch als praktisch definieren.
Parallel zu dem hier aufgeführten audiovisuellen Regelwerk existiert selbstredend auch ein narratives. Stellen wir uns entsprechend nun die Frage, welche Themengebiete ein Young-Adult-Format umfassen sollte, stoßen wir auf Liebe, díe alltäglichen Probleme des Erwachsenwerdens, Selbstfindung, auch auf sexueller Ebene, Konflikte, Gruppenbildung, Mobbing in jedweder Form, der Kampf um allgemeine Akzeptanz der Person, Langeweile, Schulfächer, typisch jugendliche Dummheiten als oft komödiantisch-auflockerndes Element, Diskriminierung von vermeintlich andersartigen Mitschülerinnen und Mitschülern, das Verhältnis zu Eltern, die Diskrepanzen zur Sichtweise Erwachsener, Freiheit, Partys, der Umgang mit emotionalen Krisen und so weiter.

Alles drin?
Betrachten wir die erste Staffelhälfte von Star Trek: Starfleet Academy ausgehend von diesen Regeln, hat das Autorenteam seine Aufgaben gemacht, inklusive der Tatsache, dass Young-Adult bisweilen plakativ erzählt ist – aus gutem Grund allerdings. Plakative Darstellungsformen mögen dem älteren Publikum vielleicht aufgesetzt erscheinen, das bedeutet aber nicht, dass junge Menschen dies zwangsläufig genauso empfinden müssen. Plakativität kann ein adäquates Mittel der Aufmerksamkeitsgenerierung sein, das übrigens bei näherer Betrachtung vor allem in Serien und Filmen für junge Menschen nicht selten Anwendung findet. Und damit kommen wir zu einem zweiten wichtigen Punkt: der Figurenzeichnung und ihrem Aufbau. Greifen wir uns ein Beispiel heraus:
Jay-Den ist ein junger, aus der Art geschlagener Klingone. Er verabscheut und verweigert den Kampf und das Töten, hegt den Wunsch, ein Heiler zu werden, ist durchaus schüchtern, und allem Anschein nach schwul. Wie übrigens auch viele deutsche LTGBQ+-Personen wuchs er in einem Umfeld auf, das ihn als nicht der Norm entsprechend klassifiziert. Toleranz erlebt er durch seinen Bruder, der ihn so respektiert, wie er ist und ihn ermutigt, seinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn er ihn von althergebrachten Traditionen und Konventionen fortführt.
Nichtsdestotrotz ist Jay-Den ein junger Erwachsener, der in sie hineingeboren und in einem Wertekanon erzogen wurde, den er verinnerlichte. Das bedeutet nicht, dass er mit ihm auf emotionaler Ebene konform gehen muss, doch er erkennt ihn als Identifikationsmerkmal seiner Spezies an, sie ist also ein Teil von ihm. Das, und die Tatsache, dass es sich entweder um einen Teenager oder einen jungen Erwachsenen handelt, macht die Figur zu einer der ambivalentesten der Serie. Er ist weder religiös überhöht noch psychisch krank, sondern nur einfach ein junger Mann, der trotz für ihn schwieriger Voraussetzungen seinen Weg sucht, einen Weg, der seine Spezieszugehörigkeit, seine sexuelle Orientierung und seine Emotionalität zu einer gefestigten Person vereinen wird.
Ein oft gegen Jay-Den vorgebrachtes Argument besagt, die Charakterisierung sei zu wenig klingonenhaft und widerspricht damit dem Kanon. Außerdem vereine die Figur so viele Themen auf sich, dass diese aufgesetzt wirken. Doch ist das so haltbar? Blicken wir auf die fiktive Geschichte des Franchise, stellen wir fest, dass vor allem die Klingonen zu den eher inkonsistenten Völkern gehören, und im Laufe ihrer 60-jährigen Geschichte mehreren Veränderungen, Erweiterungen und Neudeutungen unterzogen waren. Allerdings gibt es keine einzige belegbare Information zur Sexualität des Kriegervolkes. Die Frage, ob und wenn, welche Rolle Homosexualität in der Kultur spielt, basiert daher auf reinen Vermutungen und offensichtlich persönlichem Gusto, der aber in einem sachlich geführten Diskurs wertlos ist. Eine Emotion lässt sich nun einmal nicht auf der Sachebene entkräften. Sie hat menschlich betrachtet ihre Berechtigung, trägt aber nicht zur sachlichen Lösung eines Problems bei.
Die Frage, ob eine Figurenzeichnung wie jene des Jay-Den nun zu viel des Guten ist, entspringt nicht der Frage nach technischen Unzulänglichkeiten innerhalb des Schreibprozesses, sondern ist vielmehr ebenfalls hoch emotionalisiert. Ich kann und darf sagen, ich mag eine Figur nicht, das bedeutet aber nicht, dass sie schlecht geschrieben ist.
Die Frage, ob andere Klingonen ihn aufgrund seiner Andersartigkeit nicht ausgestoßen oder sogar ermordet hätten, ist daher ebenfalls hinfällig, nicht aber nur auf der theoretischen Ebene. Beziehen wir uns erneut auf den Kanon, befinden wir uns in einer Zeit kurz nach dem Brand, Ereignisse, die die Quadranten für über 120 Jahren massiv prägten und veränderten. Unabhängig davon, ob die Auflösung des- Brand-Plotes sinnvoll, nachvollziehbar und autorisch gut umgesetzt ist, ist der Brand Teil der Trek-Historie und somit ein ebenso erlaubtes wie adäquates Erzählelement.
In Star Trek: Starfleet Academy ist der Brand nicht nur für das Fast-Ende der interstellaren Raumfahrt verantwortlich, sondern auch dafür, dass die klingonische Heimatwelt nahezu unbewohnbar wurde. Im Sinne eines weichen Neustarts ist der Kniff insofern sinnvoll, als er den Kriegern einen Neuanfang beschert und die Möglichkeit bietet, die Klingonen klassisch darzustellen, während mit Jay-Den die Ausnahme von der Regel eingeführt wird.
Seine Familie und er sind Flüchtlinge auf der Suche nach ihrer Heimat, die verzweifelt an ihren Traditionen und damit ihrer Identität festhalten. Jay-Den verweigert sich dem und glaubt zunächst, Ablehnung durch seinen Vater zu erfahren, der ihn zurücklässt. Im Verlauf der Erzählung stellt sich aber heraus, dass sein Vater aus Liebe handelte, da Liebe letztlich, wie auch Folge 5 bestätigt, der treibende Motor aller fühlenden Wesenden ist.
Insgesamt haben wir es hier also mit einer Figur zu tun, die den klassischen Werte-Kanon Gene Roddenberrys mehr als zufriedenstellend repräsentiert. Jay-Den ist neugierig, verfügt über Forscherdrang, liebt die Wissenschaft, ist intelligent und mutig.
Seine Sexualität entspricht dem, was Gene Roddenberry ausgehend von seinen eigenen Aussagen in diversen Büchern (Inside the Mind of Gene Roddenberry u. a.) sowie Zitaten in Dokumentationen wie What We Left Behind: Looking Back at Star Trek: Deep Space Nine sich wünschte, aufgrund von Sachzwängen aber nie vollumfänglich umsetzen konnte.
Darüber hinaus zeigt die Figur, dass sie über sich hinauswachsen kann und sich in einer pluralistischen Gemeinschaft zu integrieren vermag. Sie ist freiheitsliebend, aber hoch motiviert und hegt den Wunsch, das Universum zu einem besseren Ort zu machen. All diese Eigenschaften lassen sich problemlos aus der Figur ziehen; sie liegen sichtbar in den Plot integriert vor uns.

Kanon?
Allerdings ist das Empfinden des Kanonbruchs vor allem in SFA recht hoch. Ein einige Sekunden lang zu sehender Cheroner wird beispielsweise zum Stein des Stoßes, denn das Volk ist innerhalb des Kanons bereits seit Jahrhunderten ausgestorben. Doch auch hier ist der Wahrheitsgehalt eher zweifelhaft und basiert lediglich auf einen Teil der aus der Episode Bele jagt Lokai (TOS 3×15) bekannten Geschichte. Es ist richtig, dass die Cheroner sich in einem schrecklichen Krieg gegenseitig auslöschten, gleichwohl überlebten Bele und Lokai und begaben sich auf den Planeten, um ihren Hass weiter Früchte tragen zu lassen. Letztlich gibt es aber keinen kanonischen Beweis dafür, ob einer von beiden nicht überlebte, womit der Weg zu einer potentiellen Wiederbelebung der Spezies geöffnet bleibt.
Derartige Beispiele zeigen, dass der Kanon in Star Trek von Anfang an Fluktuationen unterworfen war, die Spekulationen begünstigen. Spekulationen sind letztlich aber ebenfalls emotional, da sie die Neigung haben, persönliche Vorlieben zu begünstigen.
Auf ähnliche Weise kann man die Argumentationskette um Kanzlerin Nahlas lockeres Auftreten entkräften, oder jene, die Sternenflotte sei eine militärische Institution und dürfe deshalb keine übergewichtigen Studenten beherbergen. Derartige Kritiken beinhalten Vorstellungs- und Wunschbilder, die sich auf der Sachebene kaum greifen lassen. Denn selbst wenn ich entgegne, dass SAM ein Hologramm ist und schon deshalb als störend empfundenen körperlichen Einschränkungen (gemeint ist Übergewicht) gar nicht unterliegt, ändert das nichts an der Grundhaltung des Diskutanten. Zudem stellt sich die berechtigte Frage, was ein angeblich fehlplatziertes Easter Egg mit der eigentlichen Handlung zu tun hat.
Fanservice
Spätestens hier stoßen wir an unsere Grenzen. Kritikpunkte wie die oben erwähnten sind also schon allein deshalb hinfällig, weil sie nichts zur Analyse der Geschichte, der Figuren oder der Stilbildung beitragen, die aber für eine sachbasierte Analyse fundamental sind. Dasselbe gilt für den ebenfalls oft kritisierten Fanservice. Warum bauen die Autoren Fanservice in eine Serie ein, die sich nur sekundär an Langzeitfans richtet? Dafür gibt es drei Gründe:
- Altfans, die die Serie sehen, freuen sich eventuell über Verweise auf ihre Helden.
- Fanservice hat das Potential, Neugier zu erwecken. Das junge Publikum verfügt wahrscheinlich eher über rudimentäre Franchisekenntnisse. Die Eltern haben hingegen vielleicht die ein oder andere Serie gesehen und erinnern sich an den Doktor und Namen wie Kirk. Im besten Fall möchten die Kids nun mehr erfahren und steigen tiefer in die Materie ein, was wiederum einen positiven Effekt auf langfristige Bindung, Abonnenten und Klickzahlen haben kann.
- Die Autoren sind selbst Fans und haben Spaß daran, Querverweise zu den Helden ihrer Jugend einzufügen.
Fanservice hat also vielfältige Gründe, von denen der Wunsch, „Altfans“ zu bedienen, nur einer ist. Rein wirtschaftlich betrachtet wäre es möglicherweise sogar vorteilhafter, wenn sich der Kreis der „alten Hasen“ immer weiter lichtet und einem neuen Pool potentiell zahlungskräftiger Kunden weicht. Denn eins dürfen wir nicht vergessen: Star Trek ist eine Marke mit nur einem Zweck: dem der Gewinnmaximierung.
Ein Wort zum Schluss
Leider ist es mir schon aus Zeitgründen nicht möglich, auf alle von mir entdeckten Einwände einzugehen. Auch behaupte ich nicht, dass jedwede Kritik falsch, unsachlich oder unangemessen sei. Im Verlauf der letzten Tage erlebte ich auch das Gegenteil: anregende Diskussionen, neue Bekanntschaften intelligente Gespräche. Ich finde es indes schade, wenn die positiven Eindrücke solcher Erlebnisse in einem Schwall von Wut untergehen, der oft jeglicher sachlichen Grundlage entbehrt und darüber hinaus teilweise von Menschen stammt, deren Gesinnung man nach nur einem Blick auf das Profil kennt. Wenn wir das zulassen und bagatellisieren, steckt Star Trek tatsächlich in einer viel größeren Krise, als wir sie uns jemals ausmalen konnten.
