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Jochens Spielekiste: Star Trek Ascendancy

Jochen Czechowitz hat für euch “Star Trek Ascendancy” gespielt und berichtet, ob sich der Spaß lohnt.

© Gale Force Nine

In dieser Rubrik befassen wir uns mit trekkigen Brettspielen und berichten euch sowohl vom Spielerlebnis als auch von den Hintergründen. Los geht es mit Star Trek Ascendancy.

Teaser

Da bin ich also, oberster Befehlshaber der Cardassianischen Union und mein Auftrag lautet: Führe die Cardassianer zu Ruhm und Größe und zeige den anderen Spezies, wer hier das Sagen hat. Kleiner Spoiler: Meine Wähler werden enttäuscht sein.

Mitten im Spielerlebnis

Na gut, wer ist denn noch so im Rennen? Die Romulaner unter dem Kommando des neuen Prokonsuls Markus, die Föderation, angeführt vom unerfahrenen, frisch gebackenen Präsidenten Fabian und die Klingonen. Hier sitzt Kanzler Tim am Ruder. Na, ob sie da nicht mit Gowron besser dran waren? Egal.

Ich baue erst einmal ein paar Schiffe, eröffne eine neue Sternenbasis und beginne, die umliegenden Sternensysteme zu erkunden. So ähnlich starten auch die anderen in das große Rennen um die Vormachtstellung. Nachdem wir alle etwas für uns alleine herum erkundet und kolonisiert oder erobert haben (anfangs gibt es nur die drei Heimatwelten, der Rest der Galaxie baut sich nach und nach auf, wenn man mit seinen Schiffen losfliegt) kommt es dann auch zu den ersten Kontakten untereinander. Irgendwann kommen die Klingonen mit ein paar Schiffen angeschlichen und lungern am Rand meines Hoheitsgebiets herum.

Kanzler Tim fragt freundlich an, ob wir nicht ein Handelsabkommen schließen sollen. Mh, das würde uns beiden Rohstoffe einbringen. Zumal die Romulaner schon munter Bergbau betreiben. Klingt vernünftig. Plötzlich denke ich an die letzten Runden RoboRally. Ich lächle Tim zu und schicke dann als Antwort einen Kampfverband, der seine Vor’Cha Kreuzer pulverisiert. Bämm. Mir ist heute wohl nicht so nach Diplomatie, also lieber ein Exempel statuieren und den Klingonen zeigen, dass sie sich hier schön mal verziehen können. Tim nimmt so etwas ja sportlich. Also sportlich in dem Sinne, dass er danach auf furchtbare Rache sinnt, ganz in bester Klingonenmanier. Passt also, dass ihm die zugelost wurden.

Die Föderation ist noch recht passiv was ihre Expansion angeht, verbündet sich aber schändlicherweise mit den Klingonen. Na danke, Fabian, das gibt Tim Rückenwind. Bei den folgenden Scharmützeln läuft es nicht so gut für mich. Erst hab ich kein Glück, dann kommt auch noch Pech dazu und ich verliere ein paar Schiffe an Phänomene, die ich in den Weiten der Galaxie entdecke. Zum Glück kann ich Markus überzeugen, dass wir auch ein Bündnis schließen sollten. Er hat sich bisher aus allen Kampfhandlungen herausgehalten und inzwischen eine ansehnliche Armada aufgebaut. Seine nervige Bergbauflotte liegt tief in seinem Raum nahe Romulus und produziert Ressourcen, mehr als wir anderen generieren. Na ja, wir sind ja jetzt verbündet, also mache ich gute Mine zum bösen Spiel. Ich ziehe mich zurück, igel mich ein, lecke meine Wunden und vertraue darauf, dass meine neuen starken Freunde Kanzler Tim abschrecken.

Und tatsächlich, ich kann mich etwas erholen und im Laufe des Abends wendet sich das Blatt noch dramatisch. Ich kürze an dieser Stelle mal ein wenig ab und springe zum Ende. Markus entpuppt sich als etwas zu erfolgreicher Prokonsul und plötzlich stehen die Romulaner kurz vor einem Sieg. Jetzt heißt es alte Feindschaften zu begraben, alle gegen Markus, denn wenn mein Verbündeter gewinnt, hab ich nichts davon. Unser kühner Plan: von drei Seiten in der romulanischen Raum eindringen und Romulus selbst erobern. Denn auch wenn Markus die Hauptsiegbedingung erfüllt muss er trotzdem dabei auch noch seine Heimatwelt beherrschen. Wird aber nicht so einfach und zuerst erwischt es die Klingonen, die quasi vernichtend aufgerieben werden.

Tim passt das ganz gut (ja, ja), er muss am nächsten Tag als einziger früh raus und verabschiedet sich noch vor dem eigentlichen Ende. Fabian und ich geben alles, nehmen Romulus in die Zange, kämpfen uns System für System vor, zum Teil mit aberwitzigen Warpsprüngen, um nicht von feindlichen Schiffen aufgehalten zu werden. Aber am Ende kommt es wie es kommen muss und wir sind zu spät dran. Die Invasion findet nicht statt. Nicht einmal der Versuch, denn wir erreichen Romulus nicht. Markus gewinnt. Lang lebe das romulanische Imperium.

Treten wir einen Schritt zurück

Wie beschreibt man das Spiel Star Trek Ascendancy am besten, ohne gleich das Regelwerk zu zitieren? Nicht ganz einfach. Im Prinzip ist es ähnlich wie Risiko, aber viel komplexer, mit viel mehr Optionen. Waffen verbessern? Schilde verbessern? Antriebe verbessern? Technologie erforschen? Geht alles. Würfelglück? Braucht man auch noch aber durch die Verbesserungen kann man seine Chancen stark erhöhen. Gewaltlos gewinnen durch Hegemonisieren und Kolonisieren? Geht! Warp- und Präwarpzivilisationen einfach unterwerfen? Geht auch.

Wer sich will ins All aufmachen, der muss haben sieben Sachen, äh, drei verschiedene Ressourcen. So viele gibt es nämlich. Die Spieler sind nacheinander an der Reihe und haben zuerst eine Bau- und Forschungsphase und dann eine Kommandophase. In letzterer kann man pro Runde eine bestimmte Anzahl Kommandos ausführen (anfangs fünf). Und damit kann man einiges machen: Schiffe in Warp setzen oder fliegen lassen/aus dem Warp holen, mit Impulsantrieb herum schippern, Basen bauen, Flotten zusammenziehen, Kämpfe austragen, Planeten kolonisieren (auf verschiedene Weisen) und so weiter. Das Ziel ist es, entweder als erster fünf sogenannte Ascendancy Punkte zu erlangen oder drei Heimatwelten (inklusive der eigenen) zu kontrollieren.

Optionale Erweiterungen

Das Grundspiel ist, was die Spieleranzahl angeht, sehr strikt: drei müssen es sein, genau drei. Es gibt aber diverse Erweiterungen, mit denen man das Spiel auch alleine, zu zweit oder mit mehr Spielern als drei spielen kann. Im Basisspiel hat man es mit den drei üblichen Verdächtigen zu tun: Föderation, Klingonen und Romulaner geben sich die Ehre. Alle drei starten mit einem spezifischen Vorteil, einem spezifischen Nachteil und einer Starttechnologie. Außerdem können alle weitere unterschiedliche Vorteile durch Forschung erlangen, die man zum Teil sogar stehlen kann.

Ansonsten spielen sie sich recht ähnlich. Das gilt auch für die via Erweiterung hinzugefügten Cardassianer und die Andorianer. Ebenfalls als Erweiterung gibt es die Ferengi und die Vulkanier, die sich allerdings etwas anders spielen, als die anderen Völker. In diesem Jahr kommen noch die Breen und auch das Dominion hinzu. Bleibt abzuwarten, wie sich diese spielen werden, zumal letztgenanntes Add-On mehr bieten wird, als nur das Dominion als mögliche spielbare Partei hinzuzufügen. Betitelt mit The Dominion War kommt es in einer größeren Box als die normalen Expansions und bringt unter anderem den Gamma Quadranten mit.

Eine Erweiterung, die ebenfalls in einer größeren Box daherkommt, sollte noch gesondert genannt werden: Borg Assimilation. Die Borg werden von keinem Spieler kontrolliert, sondern vom Spiel selbst, beziehungsweise vom Zufall. Die Borg Erweiterung hat zwei Funktionen. Zum einen ist es dadurch möglich, alleine oder zu zweit spielen. Zum anderen kann man die Borg auch in jedem Spiel mit drei oder mehr Mitspielern nutzen. Sobald sie auf der Bildfläche erscheinen sind sie eine Gefahr für jeden. Und dann heißt es Abwägen, wie man sich verhält. Schaut man genüsslich zu, wie die Borg den Mitspieler assimilieren? Oder steht man ihm bei, um an wertvolle Borgtechnologie zu kommen und zu verhindern, dass man als nächster auf der Abschussliste steht? Denn jeder Spieler, der ausscheidet, wird Teil des Kollektivs und erhält ein bisschen Einfluss auf das Verhalten der Borg. Andererseits bedeutet ein Spieler weniger auch einen Schritt näher zum Sieg.

Zusammenfassung

Star Trek Ascendancy macht definitiv Spaß und ist sehr vielseitig und abwechslungsreich und auch für nicht Star Trek Fans problemlos zu spielen, wenn man einmal das Regelwerk durchgearbeitet hat (Prokonsul Markus und Föderationspräsident Fabian hatten bis dahin keinerlei Berührungspunkte mit Star Trek). Als Insider erfreut man sich aber zusätzlich an den vielen Details und dem coolen Setting. Das Spiel ist allerdings nur auf Englisch erhältlich und auch nicht ganz billig (ca. 100 Euro).

Um die Freiheit zu erlangen, mit einem (sehr schwierig) bis hin zu vier Spielern zu spielen, braucht man zusätzlich zum Basisspiel mindestens zwei Erweiterungen, die normalerweise mit ca. 35 Euro zu Buche schlagen, die Borg Erweiterung ist allerdings etwas teurer (ca. 45 Euro). Allerdings sind die Erweiterungen sehr ansprechend aufgemacht und fügen echten Mehrwert hinzu. Nicht nur, dass man dadurch mit mehr als exakt drei Spielern antreten kann, man kann natürlich auch bei den gespielten Spezies variieren, was das Spielerlebnis verändert.

Jedes Volk hat nicht nur ein ganz individuelles Spielertableau, auch die Raumschiffe sind Miniaturen von „echten“ Schiffsklassen, wobei es jeweils 30 normale Raumschiffe und drei größere Flottenmarker gibt. Die Föderation fliegt mit Galaxy-Klasse Schiffen durchs All, während die Romulaner die D’Deridex und die Klingonen die Vor’Cha Klasse auffahren. Bei den Cardassianern sind es Galorklasseschiffe, die Borg haben ihre Kuben und so weiter. Mit Ausnahme letzterer sind alle Schiffe vom Start erst einmal gleich stark. Zumindest fast, da einige Starttechnologien und Flottenverbände ab Runde eins gewisse Vorteile im Kampf bewirken.

Als Zusatzmaterial kann man sich unter anderem zu jeder der spielbaren Mächte die passenden Würfel zulegen. Diese sind dann in der jeweiligen Farbe gehalten und die Zahl 6 ist durch das Emblem des jeweiligen Volkes ersetzt. Überflüssig, aber doch nett. Was dagegen dringend nötig ist, ist ein großer Tisch, denn das Universum, das sich nach und nach aufbaut, braucht Platz. Hinzu kommen die jeweiligen Kommandostationen der Spieler mit allerlei Zeugs. Und das noch nicht benötigte Spielmaterial will auch irgendwo aufbewahrt werden. Ach ja, gewürfelt werden muss auch noch (da ist ein Würfelturm ganz praktisch).

Fazit

Von mir gibt es für Star Trek Ascendancy eine klare Empfehlung. Wer vor dem Kauf aber erst einmal noch mehr reinschnuppern möchte, findet auf der Homepage des Herstellers viele weitere Infos und Videos.

Infos

Name: Star Trek Ascendancy (ca. 100 €)

Hersteller: Gale Force Nine

Spieldauer: ca. 1 Stunde pro Mitspieler

Spieler: 3 (Grundspiel), 1/2 (mit Borg Expansion), derzeit bis zu 8 mit Erweiterungen

Alter: ab 14 Jahren

Erweiterungen

Cardassian Union (ca. 35 €), Ferengi Alliance (ca. 35 €), Andorian Empire (ca. 35 €), Vulcan High Command (ca. 35 €), Borg Assimilation (ca. 45 €), Breen Confederacy (vermutlich ca. 35 €) & The Dominion War (vermutlich ca. 45 €)

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