Andere Welten

Spider-Man: No Way Home – Comic-Spektakel des Jahres

Das Marvel-Jahr erreicht seinen Höhepunkt: Peter Parker stürzt in ein Abenteuer!

© Sony

Mit Spider-Man: No Way Home erreicht das Marvel-Jahr 2021 seinen Höhepunkt: Peter Parker stürzt in ein Abenteuer, das die Stabilität des Marvel Cinematic Universe bedroht. Wir haben den Film für euch gesehen und sind uns sicher: Aus Spider-Mans großer Verantwortung folgt großes Entertainment für seine Fans!

Das hat es im Marvel Cinematic Universe noch nicht gegeben! Spider-Man: No Way Home setzt nahtlos da an, wo Peter Parkers Eskapaden vor zwei Jahren aufgehört haben: Während der ersten Abspann-Bonusszene von Spider-Man: Far From Home. Zur Auffrischung: Die Medien veröffentlichen ohne weitere Prüfung manipuliertes Videomaterial, in dem Spider-Mans Geheimidentität enthüllt und als wahnsinniger Killer dargestellt wird. Die Bevölkerung teilt sich in zwei Lager: Menschen, die Peter Parker (Tom Holland) als Superschurken betrachten, und Leute, die in ihm weiterhin einen Helden sehen.

Nicht nur, dass somit Peters Leben zur reinsten Hölle wird – auch seine Liebsten werden in Mitleidenschaft gezogen, insbesondere seine Freundin MJ (Zendaya) und sein bester Freund Ned (Jacob Batalon). Also bittet er den mächtigen Magier Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) um Hilfe: Er soll die schädliche Nachrichtenenthüllung vergessen machen. Allerdings läuft etwas gewaltig schief, und statt alles ins Reine zu bringen, vergrößert der Zauberspruch die Bedrohung: Schurken aus anderen Welten dringen ins Marvel Cinematic Universe und machen Hatz auf Peter Parker …

Wiedersehen macht Freude

Es bringt nichts, damit hinter’m Berg zu halten, zumal das Marketing für Spider-Man: No Way Home offensiv darauf eingeht und ihr, die das hier lest, es sicherlich eh schon wisst: Doctor Stranges missratener Zauber lockt nicht etwa irgendwelche neu für den Film erschaffenen Kreaturen an. Oder bislang nicht für die große Leinwand adaptierte Comic-Fieslinge. Oh nein, es geht um Gegner, die zwar für Tom Hollands Helden neu sind, für uns im Publikum dagegen alte Bekannte darstellen: Schurken aus Sam Raimis Spider-Man-Trilogie sowie aus den beiden Amazing Spider-Man-Teilen.

Für langjährige Spider-Man-Fans (oder frisch gewordene Spider-Man-Fans, die aber die vergangenen Filme nachgeholt haben), bedeutet das Tonnen an Nostalgiebonus: Fieslinge, die wir zu hassen lieben, machen einmal mehr die große Leinwand unsicher – und bringen natürlich auch ihre musikalischen Leitmotive mit. Unter der Regie von Jon Watts, der bereits Spider-Man: Homecoming und Spider-Man: Far From Home verantwortete, stellt dieser Film zudem die Frage, wie diese Schurken auf das Angebot einer zweiten Chance reagieren. Ist beispielsweise Otto Octavius alias Doctor Octopus (Alfred Molina) gewillt, wieder durchzuatmen? Strebt Max Dillon alias Electro (Jamie Foxx) weiter nach Power, oder lässt er locker, nun da er keinen Grund mehr hat, einen Groll auf Spider-Man zu hegen?

The Amazing Meta-Man

Trotz der Rückkehrer aus früheren Spider-Man-Filmen verkommt Spider-Man: No Way Home nicht zum oberflächlichen Fanservice-Fest. Und ebenso wenig müssen Fans von Tom Hollands Spider-Man befürchten, dass die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft von der Flut bekannter Widersacher überrollt wird.

Die Autoren Chris McKenna & Erik Sommers, die schon die vorherigen beiden Solo-Vehikel über Tom Hollands Spider-Man verfasst haben, eröffnen diesen Film nicht grundlos exakt dort, wo sie Spider-Man: Far From Home beendeten. Denn dies hier ist nicht nur auf inhaltlicher Ebene eine unmittelbare Fortführung, sondern auch auf tonaler sowie stilistischer.

Während der Ereignisse von Far From Home versuchte Peter Parker, seiner immensen Verantwortung als Superheld davonzulaufen, sie geradezu zu verdrängen. Mit einem gewaltigen Tusch wurde ihm vorgeführt, dass es keinerlei Bedeutung hat, wie quirlig, optimistisch und freundlich er durch’s Leben streitet: Nicht nur Taten haben Konsequenzen, schon allein seine Fähigkeiten haben zur Folge, dass er stets über sich hinauswachsen muss. No Way Home führt diesen Faden fort. Und zwar mit dem gewohnten, von Tom Holland, Zendaya, Jacob Batalon und Co. spritzig vermittelten Wortwitz. Sowie mit der unschuldig-knuffigen Situationskomik, in die sich diese Figuren wiederholt manövrieren.

Zugleich werden Peters Ängste durch die Besucher aus anderen Welten intensiviert und gespiegelt. Die Story verzichtet also keineswegs auf zunehmende Dramatik und Weltschmerz. Hätte man das auch als Film ohne Nostalgie-Element aufzäumen können? Gewiss. Doch solch einen Handlungsbogen mittels Multiversum-Schabernack zu erzählen, dient ebenso als Fanbonus wie als konsequentes Weiterdenken von Far From Home:

Darin sehnte Peter sich in jugendlichem Leichtsinn derart danach, lediglich ein leichtsinniger, sorgenfreier Teenager zu sein, dass der Film um ihn herum eine entsprechende Tonalität annahm. Zeitweise wirkte er wie eine spritzige Eurotrip-Jugendkomödie – bis Peter von der Realität eingeholt wurde. Dass für diesen Peter Parker der Zusammenbruch der Welt, wie er sie kennt, mit bedrohlichen Rissen im Multiversum einhergeht, versteht sich praktisch von selbst.

Außerdem wird diese Handlung mit genau der Menge an metafiktionalen Kommentaren und Seitenhieben durchgeführt, die man von McKenna und Sommers erwarten sollte. Immerhin waren sie Teil des Autoren-Teams der Meta-Kult-Sitcom Community, die mit solchen Späßen förmlich um sich schmiss.

Die Schwächen? Schnell vergessen!

All diesen Stärken zum Trotz: Zwischenzeitlich schwingt dieser Spider-Man an seinem Ziel vorbei, was angesichts all dem Chaos um ihn herum allerdings nahezu unvermeidlich war. Einigen Szenen wird das trainierte Auge ansehen, dass sie Last Minute vor Greenscreen gedreht wurden. Etwa, weil einzelne Castmitglieder erst kurzfristig für das Projekt gewonnen wurden, oder aber weil Verschiebungen im MCU-Startplan Nachdrehs nötig machten, um Kontinuität innerhalb der Filmsaga zu wahren.

Außerdem ist Jon Watts noch immer deutlich fähiger darin, humorige Vorkommnisse und zwischenmenschliche Angelegenheiten zu inszenieren als den ganzen Film über abwechslungsreiche, dynamische Actionszenen abzuliefern. Vor allem im Finale kann es zwischendurch unübersichtlich und visuell etwas monoton werden. Allerdings fangen die emotionalen Momente, egal ob gewitzt oder rührend, diese Schwächen verlässlich immer wieder auf. Größer ist in diesem Fall einfach besser: Im MCU weisen die Jugendkrisen eines Peter Parker so viel Pathos und weltbewegende Konsequenzen auf, wie sich solcher Trubel für Jugendliche sowieso anfühlt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf www.syfy.de und ist Eigentum von NBC Universal Global Networks Deutschland GmbH. Er wird mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt.

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