Sülters TOP 5

Sülters Top 5: Wenn Offiziere durchdrehen

Tasha Yar in der Episode "Gedankengift" aus TNG.

In unseren trekkigen TOP 5 geht es heute um durchdrehende Offiziere.

© Paramount

Wer kennt sie nicht, die albernen Momente der Trek-Serien, wenn sogar Offiziere durchdrehen? Immer wieder überkam es die Autoren und sie brachten ihre Figuren mit Begeisterung in Situationen, die sogar dem Publikum Spaß machten oder in Einzelfällen auch mal zum Fremdschämen einluden. Unsere heutige Top 5 ist ohne Frage ein Mix aus beiden Varianten. Für einen Rewatch taugen aber alle der genannten Episoden.

Es war die Lerche und nicht der Lift!

In der ersten Staffel von Star Trek: Deep Space Nine gab es – wie bei allen anderen Serien auch – einige unsäglich schwache Episoden. Zu dieser Kategorie gehört auch das Klamauk-Abenteuer Babel, bei der die Crew einem Aphasie-Virus zum Opfer fiel.

Der Clou des Ganzen: Alle begannen, in sinnlosen Sätzen zu sprechen, im Deutschen dabei aber sogar noch wunderschön zu Dichten!

“Wenn Vögel zieh’n, das Weite suchen, dann ist der Süden bald ihr Ziel.” (O’Brien)

Somit wurde die Episode in der Synchronfassung zu einem doppelt albernen Vergnügen. In der Originalfassung achtete man allerdings penibel darauf, dass zum Beispiel der Sprechrhythmus erhalten blieb und es eindeutig so wirkte, als wären nur die Vokabeln durcheinandergewürfelt. Drehbuchautor Michael McGreevy trieb gar eine regelrechte Angst um, dass das Endresultat albern wirken würde. Zum Glück hat er die deutsche Fassung (vermutlich) nie gehört …

Die Königin der Spinnenwesen

Man muss zugeben: So richtig drehte in der Episode Bride of Chaotica! (Chaoticas Braut) aus Star Trek: Voyager niemand durch. Dafür hatten aber alle eine ganze Menge Spaß – und das sogar in Schwarz-Weiß! Schuld war mal wieder Tom Paris, der mit seinem besten Kumpel Harry Kim doch eigentlich nur ein flottes Abenteuer auf dem Holodeck erleben wollte. Doch weiß der geneigte Fan natürlich, dass Holodecks zu den störungsanfälligsten Geräten an Bord der modernen Raumschiffe und Stationen dieser Zeit zählen! Diesmal gab es jedoch einen cleveren Dreh: Wesen aus einer anderen Dimension verwechselten das Holodeck mit der Realität, da ihre eigene Lebensweise der Darstellung im Projektionsraum ähnelte.

Was dann passierte, war ganz sicher ein großer Spaß für die Darstellerinnen und Darsteller! Der Holodoc gab im Anzug den Präsidenten der Erde und Captain Janeway trat als Königin Arachnia auf und ließ sich vom debilen Chaotica umschmeicheln.

“Hab ich das richtig verstanden? Transdimensionale Fremde hielten ihre Captain-Proton-Simulation irrtümlich für Realität?” (Janeway)

Ein herrliches Vergnügen! Selten durfte die Crew der USS Voyager so freidrehen wie hier.

Getränkehalter, Reed-Alert und Karotten!

Und weiter geht es mit einer Crew under the influence. Diesmal wurde das bunte Treiben durch die Nähe zu einer Singularität ausgelöst. So geriet in der Episode Singularity (Eigenarten) aus der zweiten Staffel von Star Trek: Enterprise alles ziemlich schnell aus dem Gleichgewicht. Reed bastelte an einem neuen Alarmprotokoll, Archer verlor die Kontrolle, weil er ein Vorwort für ein Buch über seinen Vater schreiben sollte, Hoshi übernahm mit etwas zu viel Elan die Küche für den erkrankten Chef („Karotten!“) und Trip hatte nichts wichtigeres zu tun, als einen Getränkehalter am Stuhl des Captains zu installieren und diesen perfekt auszubalancieren. Ach ja – Dr. Phlox wollte nebenbei aufgrund der Kopfschmerzen von Mayweather noch eine Lobotomie durchführen.

“Ich weiß, Sie halten diesen Stuhl nicht für wichtig, aber Sie irren sich. Was ist die kritischste Komponente auf diesem Schiff? Der Hauptcomputer? Der Warpreaktor? Ähh, es ist die Crew. Und das allerwichtigste Mitglied der Crew ist der Captain. Er trifft jeden Tag Entscheidungen über Leben und Tod. Und das sollte er in einer überaus kritischen Situation nicht denken müssen: “Oh je! Ich wünschte mir dieser Stuhl würde mir nicht so am Hintern drücken!”” (Tucker)

All dieses Chaos kulminierte in einer (leider recht generischen) Krise, die nur T’Pol und Archer (mit letzter Kraft) abwenden konnten. Dennoch: Die Episode ist auch heute noch ein Heidenspektakel mit vielen denkwürdigen Sprüchen! Unbedingt ansehen!

Ein glückliches, unbeschwertes Leben?

Wer wohl ist in Star Trek die Figur gewesen, die man am liebsten einmal emotional, lustig oder gar verliebt gesehen hätte? In This Side of Paradise (Falsche Paradiese) aus der ersten Staffel ließ man Spock auf die Liebe los und erhielt dafür eine Glanzleistung von Leonard Nimoy, der sichtlich Spaß daran hatte, den beherrschten Vulkanier einmal ganz anders anzulegen.

Das Drehbuch von Legende D.C. Fontana wartete zudem mit einer cleveren Grundidee auf: Die Sporen auf dem Planeten veränderten das Wertesystem der Menschen und ließen sie in völliger Friedfertigkeit und beseelt von Glück ein einfaches Leben führen. Ehrensache, dass Captain Kirk als einziger den verlockenden Zustand überwand (und ihm widerstand), Spock zurück auf den Boden der Tatsachen holte und seine Crew schließlich vor dem Paradies rettete.

“Ich habe keinen Bock, Jim.” (Spock)

Während der deutsche Titel uns eindeutig aufzeigen wollte, dass es sich hier um ein falsches Paradies gehandelt hat, war die englische Fassung ungleich ambivalenter und zielte nur auf eine andere Art von Paradies ab. Eine Wertung blieb dabei aus und erfolgte einzig durch die Handlungen Kirks. Wer jedoch die losgelöste Freude und Harmonie des Spock erlebt hatte, dürfte die Idee dieser Lebensweise nicht gänzlich unattraktiv gefunden haben …

Voll funktionsfähig!

Star Trek: The Next Generation war insbesondere im ersten Jahr noch sehr im Vergangenen verhaftet und bot den Zuschauern meist eine Dramaturgie an, die direkt aus den 60er-Jahren importiert zu sein schien. Besonders stark sah man die Abhängigkeit vom Mutterformat in der ersten Episode nach dem Pilotfilm: The Naked Now (Gedankengift) variierte nicht nur den Titel einer Classic-Episode (The Naked Time), sondern lehnte auch gleich die Geschichte daran an.

Viel zu früh in der Serie erlebten wir die uns damals noch unbekannten Figuren beim Durchdrehen und unter einem Einfluss, der am ehesten mit dem von Alkohol zu vergleichen war. So konnten Picard und Dr. Crusher ihre Finger kaum voneinander lassen und Tasha Yar vergnügte sich mit dem voll funktionsfähigen Androiden Data und lehrte ihn die Liebe der Menschen. Vollkommen gaga!

“Wir haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede, mein lieber Captain. Ich habe Poren. Menschen haben Poren. Ich habe Fingerabdrücke. Menschen haben Fingerabdrücke. Meine chemischen Bestandteile ähneln menschlichem Blut. Wenn man mich sticht … tropfe ich dann nicht?” (Data)

Fehlen durfte natürlich auch die Übernahme des Maschinenraumes und schließlich sogar des ganzen Schiffes durch den jungen Wesley Crusher nicht – und am Ende war sogar der Androide Data betrunken. Auch wenn die Episode damals deplatziert wirkte und teilweise unfreiwillig komisch war, machte sie auch einfach Spaß! Wenn man ehrlich ist sogar heute noch …

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf www.syfy.de und ist Eigentum von NBC Universal Global Networks Deutschland GmbH. Er wird mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt.

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