Rezension

Sülter fasst sich kurz: Kritik zu Star Trek: Strange New Worlds 1.04 “Memento Mori”

© Paramount

Unser Björn Sülter blickt auf die vierte Episode aus “Star Trek: Strange New Worlds” namens “Memento Mori”.

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Endlich ist Paramount+ (und somit auch Star Trek: Strange New Worlds) in Deutschland angekommen. Vielerorts gibt es bereits ausführliche Rezensionen, die jeden Winkel der neuen Serie ausleuchten. Bei uns findet ihr das Kontrastprogramm: die Kurzmeinung unseres Chefs, der – falls gewünscht – die Langfassung dann im Podcast Planet Trek fm an der Seite von Claudia Kern nachliefert.

Also, seid ihr bereit für Star Trek: Strange New Worlds?

Worum geht´s?

Eine Routinemission wird zum Albtraum, als die USS Enterprise von den mysteriösen Gorn angegriffen und schwer beschädigt wird. Captain Pike muss sein Schiff verstecken und sich auf ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel mit dem überlegenen Feind einlassen …

Was geht ab?

Nach drei recht gemächlichen Abenteuern der Woche zum Start drehen die Macher hier enorm an der Spannungsschraube und präsentieren uns – ziemlich aus dem Nichts – eine Begegnung mit einem übermächtigen, mysteriösen und brutalen Feind. Dass es sich bei dieser Spezies um die aus der Classic-Serie (und Star Trek: Enterprise) bereits bekannten Gorn handelt, macht die Sache nicht weniger interessant. Erstens ist und bleibt unklar, wie man die Gorn für Strange New Worlds visuell darzustellen gedenkt, außerdem wissen wir fast nichts über sie.

Somit erfüllen die Echsenwesen (von denen hier nur die Schiffe zu sehen sind) einen ähnlichen Zweck wie einst die Borg in The Next Generation und der Episode Q Who (Zeitsprung mit Q). Sie bilden ab sofort die düstere Bedrohung am Horizont, eine gefährliche Variable, die stets zu Problemen führen kann. An Stelle von Guinan, die damals bereits auf ein Zusammentreffen mit den Maschinenwesen verweisen konnte, ist es hier La’an, die ein weiteres Mal in den Mittelpunkt rückt und uns ihre Geschichte näher bringen darf. Obendrauf ersetzt sie innerhalb der Episode auch noch Rebecca Romijns Figur der eigentlichen Nummer Eins (die außer Gefecht auf der Krankenstation liegt) und wird uns damit erneut als starke Frau neben Pike erzählt. Eine durchaus ungewöhnliche Entscheidung der Macher.

Im Zentrum steht aber natürlich auch Anson Mount. Nach Papa-Pike und Kumpel-Pike haben wir es hier nun mit Hardliner-Pike zu tun. Stark, wie die Autoren der Figur immer neue, interessante Seiten abgewinnen, die seine Persönlichkeit mit neuen Facetten anreichern, ohne sie jedoch zu überladen. Pike muss diesmal die ganz schwierigen Entscheidungen treffen und meistert diese Prüfungen mit Bravour, da er weder die notwendigen Emotionen oder die angemessene Empathie vermissen lässt, andererseits aber auch knallhart und im richtigen Moment selbst die Initiative ergreift oder auf seine Crew hört.

Die Episode an sich darf man getrost als spannenden und durchweg mitreißenden Remix von Das Boot, Jagd auf Roter Oktober, Star Trek II: The Wrath of Khan und der DS9-Episode Starship Down (Das Wagnis) bezeichnen. Das klingt jedoch negativer als es gemeint ist. Vielmehr ist es erstaunlich, wie den Machern der Transfer des Materials auf den Kern dieser Serie gelingt. Dazu gehört, dass fast alle wichtigen Charaktere Anteil an der Handlung erhalten, Professionalität und Emotionalität sich stets die Waage halten und am Ende die Hoffnung über die Angst obsiegt. The trekkie style of life.

So sehr Strange New Worlds in den ersten vier Episoden auch eine inhaltliche Eigenständigkeit abgehen mag, weil die Macher sich komplett aufs neu erzählen bekannter Versatzstücke verlassen, so erfolgreich sind sie darin, nichts davon abgestanden oder schal wirken zu lassen. Im Gegenteil: Die Serie rauscht bisher geradezu durch ihre erste Staffel, unterhält mit Witz, Charme und Herz und begeistert neben den Schauwerten, dem tollen Score und ihrem clever gemischten Cast eben auch mit den rasanten Geschichten, die es mit jedem Trek-Klassiker ähnlichen Strickmusters aufnehmen kann. Das ist definitiv eine Leistung!

gezeichneter Kirk in der Klassik-Uniform, zeigt den Daumen nach oben, Urteil "Super!"

Fazit

Ein ziemlicher Hammer, den die Serie da früh in der ersten Staffel raushaut. Zugegeben: Die Anleihen an U-Boot-Filme sind nicht neu, noch bietet die Dramaturgie große Kreativleistungen. Der Remix funktioniert aber, weil die Stärken dieser neuen Inkarnation perfekt ins Spiel gebracht werden, die Gorn als Bedrohung funktionieren und die Crew uns bereits mächtig ans Herz gewachsen ist. Zu einem trekkigen Alltime-Highlight führt das vielleicht noch nicht, dennoch aber erneut zu einer ganz starken und unterhaltsamen Episode.

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