Sülters TOP 5

Sülters TOP 5: Die besten, lustigsten & verrücktesten Zeitreise-Episoden

Michael Burnham und Ash Tyler tanzen

In unseren trekkigen TOP 5 geht es heute um Zeitreisen.

© Paramount

Star Trek besitzt viele Facetten. Die inzwischen sechs Realserien haben in der über 52 Jahre langen Geschichte und in über 700 Episoden verschiedene Genres beackert und sich in ihnen ausprobiert. Eines der beliebtesten ist bereits seit Tagen der Originalserie die Zeitreisethematik. So gab es bereits in den 1960er-Jahren wunderbare Episoden wie The City on the Edge of Forever oder Tomorrow Is Yesterday.

In den späteren Serien erhöhte sich die Taktfrequenz deutlich und sogar Star Trek: Discovery hatte schon einen Beitrag zu bieten. Keine Frage also, dass man über eine Zusammenstellung der besten oder lustigsten Einträge diskutieren kann. Bemüht habe ich mich, alle Serien zu ihrem Recht kommen zu lassen. Einzig Star Trek: Enterprise wollte sich für meinen Geschmack partout nicht in der Liste verewigen – man denke an das schwache Carpenter Street oder die diversen zwar unterhaltsamen, letztlich aber unbefriedigenden Episoden zur Thematik um den Temporal Cold War. Ausgelassen habe ich auch die Kinofilme, obwohl es dort mit Star Trek IV: The Voyage Home und Star Trek: First Contact ganz wunderbare Versuche gab.

Lange Rede, kurzer Sinn: Hier sind sie also, meine Top-5 der Zeitreise-Episoden aus allen Trek-Serien – und ich kann euch sagen: Es fiel mir verdammt schwer! Ich könnte auch ohne Probleme eine Top-25 mit diesem Thema füllen, wenn man sich die Fülle an Episoden anschaut, die im engen oder weiteren Sinne damit zu tun haben. Dennoch musste ich mich entscheiden und freue mich auf eure Vorschläge, welche Episoden ich vergessen habe.

Yesterday’s Enterprise

Die alte Enterprise deutete im deutschen Titel durch die Verwendung des Artikels auf das ikonische Schiff des James T. Kirk hin – also die NCC-1701 oder die NCC-1701-A. Da man jedoch wusste, dass es sich bei Picards Schiff um die NCC-1701-D handelte, kamen rein vom Alphabet noch zwei weitere Schiffe in Frage, über die man zu diesem Zeitpunkt nichts wusste. Hier ging es um die NCC-1701-C unter dem Kommando von Captain Rachel Garrett.

Somit erfuhren wir nicht nur etwas über ein weiteres Schiff mit dem Namen Enterprise, wir lernten auch zum ersten Mal einen weiblichen Enterprise-Captain näher kennen, feierten ein Wiedersehen mit der eigentlich verstorbenen Tasha Yar und erlebten eine der cleversten und nachdenklichsten Zeitreise-Episoden, die das Prinzip von Ursache und Wirkung überzeugend illustrierte und keine einfachen Entscheidungen zuließ. Zudem gab es einen knackigen Score, düstere Sets und eine kinotaugliche Regie von David Carson, der später auch bei Star Trek Generations am Ruder stand.

Das letzte Wort überlasse ich bei dieser Episode gerne Jean-Luc Picard:

“Let’s make sure that history never forgets … the name … Enterprise.”

Past Tense

In vielen Episoden war die Crew oder Teile der Crew Gefangen in der Vergangenheit, was den deutschen Titel dieser Doppelepisode aus der dritten Staffel von Star Trek: Deep Space Nine fast ein wenig generisch erscheinen lässt. Damit hört die Kritik jedoch bereits auf. Wir hatten es hier mit dem ersten richtigen Höhepunkt der Serie zu tun, bevor man dann besonders ab dem vierten Jahr nochmal einige Gänge hochschaltete.

In Past Tense war der Aufhänger Nebensache. Auf dem Weg zu einer Konferenz auf der Erde gab es einen Transporterunfall, der Sisko, Bashir und Dax auf der Erde des Jahres 2024 in San Francisco stranden ließ. Dort musste sie erleben, wie die Regierung versuchte, das Problem der Obdachlosigkeit und Verarmung bestimmter Bevölkerungsgruppen durch die Einrichtung von Schutzzonen (die nichts anderes als Ghettos waren) zu lösen. Sisko und Bashir wurden aufgrund ihrer Outfits und fehlender Ausweise direkt in eine solche Zone gebracht und lernten das Leid der Menschen hautnah kennen. In diesem Zusammenhang wurden viele brisante Themen angerissen, es hagelt potente Aussagen und Denkansätze und der Zuschauer konnte nicht anders, als sich auch nachträglich noch mit den aufgeworfenen Problemen zu befassen.

Obendrauf gab es noch eine amüsante (aber irrelevante) Nebenhandlung rund um die Crew der Defiant, die irgendwie ebenfalls durch die Veränderung der Zeitlinie geschützt war (Technobabbel hilft immer) und durch verschiedene Epochen sprang, um die Kollegen zu finden.

Past Tense ist bis heute ganz wunderbares Star Trek und bietet zudem eine spannende und inhaltlich überzeugende Zeitreise, die uns kompetent einen Spiegel vorhält und in einem Bereich mahnend und warnend Auftritt, der Gesellschaft wie Politik auch jetzt noch unter den Nägeln brennt.

Halten wir es einfach mit Bashir:

“Causing people to suffer because you hate them … is terrible. But causing people to suffer because you have forgotten how to care … that’s really hard to understand.”

The Visitor

Eine viel persönlichere Note brachte eine Episode aus der vierten Staffel von Star Trek: Deep Space Nine ins Spiel. Der Besuch einer jungen Frau bei einem alten Mann diente hierbei als Aufhänger – und als deutscher Titel. Dass es sich bei diesem Mann um einen alten Jake Sisko handelte, wurde ziemlich schnell klar – tat der Spannung aber keinen Abbruch. Wir hatten es hier mit einer wirklich cleveren Geschichte zu tun, in der Jake auf einer Mission mit der Defiant seinen Vater Benjamin bei einem Unfall verlor. Die Episode befasste sich nicht nur mit den direkten Auswirkungen auf Jake und alle anderen, sondern zeigte, wie eine derartige Tragödie einen Heranwachsenden (der auch schon seine Mutter verloren hatte) für das gesamte Leben belasten kann.

Wir erlebten in verschiedenen Rückblenden und durch Erzählungen des alten Jake, wie er zwar versucht hatte, zur Normalität überzugehen, wie er aber die Geschehnisse jedoch eher verdrängt denn wirklich verarbeitet hatte. Mit dem Auftauchen seines Vaters nach Jahren hatte dann eine Abwärtsspirale begonnen, da das überraschende Erlebnis alle unverarbeiteten Emotionen wieder hervorbrachte und Jake auf einen Weg schickte, von dem es kein Entrinnen mehr gab: Er wollte seinen Vater retten.

Die von vorne bis hinten perfekt geschriebene, wunderbar gespielte und emotional mitreißende Episode ließ trotz des vorhersehbaren Ausgangs (Stichwort: Resetbutton) keine Langeweile aufkommen, zeigte uns eine bekannte Figur von einer vollkommen neuen Seite und präsentierte eine glaubhafte Vater-Sohn-Liebe, die weit über den Tod hinaus reichte.

Dazu lieferte man in den erstklassigen Dialogen noch viele Lebensweisheiten – mit einer vom alten Jake Sisko wollen wir dann auch zum Ende kommen:

“There’s only one first time for everything, isn’t there? And only one last time too. You think about such things when you get to be my age; that today may be the last time you sit in your favorite chair, or watch the rain fall, or enjoy a cup of tea by a warm fire.”

Relativity

Chaos auf dem Zeitschiff Relativity! Mit diesem Ausflug in Bereiche, die Janeway und den Zuschauern Kopfschmerzen bereiteten, lieferte Star Trek: Voyager einen wilden und spaßigen Beitrag zur Zeitreise-Thematik. Seven of Nine wurde von Captain Braxton rekrutiert, einen Anschlag der Kazon auf die Voyager zu verhindern. Dazu holte man sie immer wieder aus der Zeitlinie heraus, um sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzupflanzen. So durften wir auch einige frühe Geschehnisse erleben, die bisher unbekannt waren. Die Episode wurde mit jeder Minute verwickelter und verrückter.

Dabei war es am Ende aber gar nicht so wichtig, ob das Gesehene viel Sinn machte; wie bei der Back to the Future-Reihe überwog der Spaß! In Episoden wie diesen sind offene Fragen zudem absolute Ehrensache. Der Kopf raucht, die Handlungsstränge laufen in Knoten, Kreisen und irren Windungen und hinterlassen ein Schlachtfeld aus Verwirrung. Doch warum lieben wir diese Episoden dann trotzdem so? Sie machen einfach Laune! Am Ende blieb laut der Crew der Relativity übrigens eine temporale Inkursion in die Zeitlinie von 0,0036. Damit können wir doch alle leben, oder?

Übrigens: Eine weitere wichtige Erkenntnis der Episode war noch, dass Seven of Nine die normale Sternenflotten-Uniform sensationell gut stand – schade, dass man sie weiterhin in Catsuits steckte.

Und zum Schluss hat Janeway das Wort:

„See you in the 24th century. – I look forward to it. Or should I say backward? – Don’t get started!“

Magic to Make the Sanest Man go Mad

Ob der relativ frische Beitrag aus dem aktuellen Star-Trek-Kind Star Trek: Discovery bereits als moderner Klassiker durchgeht, darüber kann man sicher genüsslich diskutieren. Fakt ist aber, dass es sich gerade in Bezug auf die sehr düstere und problembeladene erste Staffel der Serie um einen Höhepunkt handelte, bei dem besonders die Figuren Luft zum Atmen erhielten und die Zuschauer schlicht Spaß am wilden Treiben haben konnten.

Harry Mudd bei seinen arrogant-lässigen Versuchen zu beobachten, das Schiff zu übernehmen, war außerdem eine willkommene Abwechslung und Abkehr von der bis dahin erlebten Dramaturgie und eine Rückkehr zum klassischen Star Trek. So mischte sich Action mit guten Effekten, witzigen Szenen (die Party oder die Begegnungen mit Stamets, der wie Doc Brown aus Back to the Future wirkte) und vielen denkwürdigen Zitaten.

Auch die Ähnlichkeiten zur Originalserie, die insbesondere am Ende überdeutlich wurden, als Stellas Vater wie ein Relikt aus den 1960er-Jahren im Transpoterraum erschien, machten Freude. T=Mudd² ist in Sachen Humor bestimmt der Höhepunkt der ersten Staffel und nebenbei ein flotter Beitrag zur niemals langweiligen Zeitreise-Thematik.

Der schönste Satz der Episode gehörte übrigens Paul Stamets, als er Burnham von seiner ersten Begegnung mit Dr. Culber berichten wollte:

“Dance with me. For science.”

Conclusio

Bei keinem anderen popkulturellen Phänomen ist der Gedanke der Meinungsvielfalt so ausgeprägt wie in Star Trek. Sie steht dort sozusagen in der DNA. Daher bildet diese Kolumne selbstverständlich nur eine vollkommen subjektive Meinung ab. Der wichtigere Teil folgt immer im Anschluss: Was denkt ihr? Hättet ihr die gleichen oder vielleicht ähnliche Episoden ausgewählt? Und wenn nicht: warum? Lasst die Diskussion beginnen und preist die Meinungsvielfalt – denn das ist Star Trek!

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf www.syfy.de und ist Eigentum von NBC Universal Global Networks Deutschland GmbH. Er wird mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt.

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