Sülters Woche

Sülters Woche #005: Mehr Liebe für Wesley Crusher!

Björn Sülter hält ein Modell der Raumstation DS9 vor seinem Gesicht

Im fünften Teil seiner Kolumnenreihe befasst sich Björn Sülter diesmal mit einer Figur, die viel mehr Liebe verdient: Wesley Crusher.

© Fotoscheune

Oh, ist die Woche schon wieder um? Dann wollen wir doch mal schauen, was in der Trek-Welt so los war.

Kein Grund nötig

Es ist ja nicht so, dass man einen besonderen Grund bräuchte, um einen Rewatch von Star Trek: The Next Generation zu starten. Wahrlich nicht! Die zweite Realserie aus dem Roddenberry-Universum besticht auch heute noch mit wunderbaren Figuren, Humor und Geschichten zum Nachdenken. Star Trek war in Sachen Utopie und Advanced Human vermutlich nie näher bei sich als hier.

So ist es dann auch keine Sensation, dass bei mir so ein Rewatch aktuell läuft. Man könnte sagen: aus Gründen. Schließlich arbeiten die Kollegen Prahl, Walch und ich seit Monaten an der dritten Star Trek-Chronik, die sich in dieser Runde mit den Abenteuern der U.S.S. Enterprise NCC 1701-D und ihrer wackeren Crew befasst. So weit, so logisch.

Ewige Liebe

Nun hätte ich im Rahmen dieses erneuten Durchlaufs vieles erwartet. Ich hätte zum Beispiel angenommen, dass ich mich erneut in das Schiff verlieben würde, das dank HD-Restaurierung mit den farbenfrohen Uniformen um die Wette strahlt. Ich hätte auch gedacht, dass mir zum drölfzigsten Mal auffallen würde, wie sehr mich Sir Patrick Stewart und seine Figur des Jean-Luc Picard begeistern. Auch wäre es mir nicht merkwürdig vorgekommen, wenn ich die Freundschaft zwischen Data und Geordi, den humorvollen Umgang Rikers mit der Crew oder die Weisheiten der Bardame Guinan gefeiert hätte.

Nun, all das stimmt. All das ist mir erneut passiert. Auf etwas anderes war ich jedoch nicht vorbereitet.

Wesley! Wesley! Wesley!

Keine Frage: Stewart trägt mit seiner Präsenz und Klasse die Show. Das war immer mein Empfinden und hat sich bis heute nicht geändert. Doch auch Spiner, Frakes, Burton, Dorn, McFadden und Sirtis machen insbesondere ab dem zweiten Jahr der Serie auch heute noch mächtig Laune. TNG zu schauen ist auch nach inzwischen 35 Jahren wie die Rückkehr an einen Ort der Kindheit, der einfach nie seinen Zauber verliert.

Neben den erwähnten und bekannten sieben Heldinnen und Helden gab es aber noch jemanden, der mir beim aktuellen Rewatch besonders ab dem dritten Jahr der Serie ins Auge fiel. Damals, in den 80er- und 90er-Jahren war er schnell zum Stein des Anstoßes für viele Fans geworden. Damals hatte man ihn teils verlacht und nicht ernst genommen. Die Rede ist von Wil Wheaton in der Rolle des Wunderkindes Wesley Crusher.

Oberflächlich betrachtet mag es stimmen, dass Wesley meist ein Vorzeigekind darstellt, dem Ecken und Kanten zu fehlen scheinen. Dass der Eindruck damals entstand, verwundert nicht. Blickt man jedoch genauer hin, haben die Autoren durchaus auch Momente eingebaut, die einfach typisch Kind oder Teenager sind. Wesley benimmt sich nicht immer rational oder logisch. Er macht Fehler und versucht sie unter den Teppich zu kehren. Er ist hier und da bockig und will sich die Weisheiten der Älteren nicht anhören. Doch besser noch: Wesley Crusher wurde von einem Jungschauspieler dargestellt, der sein Handwerk absolut verstand. Wil Wheaton wird auch heute noch unterschätzt. Zu Unrecht. Man muss sich nur einmal anschauen, mit welcher Abgeklärtheit und Natürlichkeit er Wesley verkörpert. Wheaton erlaubt sich keine Schwächen und besteht neben allen im Cast problemlos, selbst neben Sir Patrick Stewart.

Ein Wunder ist das übrigens nicht. Erinnert sich jemand an seine Performance in Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers? Auch dort hatte er sich unter der Regie von Ikone Rob Reiner die Seele aus dem Leib gespielt. Dass Wheaton in TNG besetzt wurde, war mehr als verdient. Dass seine Rolle damals nicht großflächiger ankam, lag in keiner Weise an ihm. Wheaton rief an der Seite viel erfahrenerer Mimen durchweg starke und sympathische Leistungen ab. Schade, dass er nicht bis zum Serienende blieb. Schade auch, dass seine jugendliche Karriere für ihn damals eine so schlimme Bürde darstellte und man erst viel später davon erfuhr.

Was oft vergessen wird: Sein Wesley Crusher war eine Identifikationsfigur für viele Fans. Star Trek zeigte uns an seinem Beispiel, was in der Zukunft mit Talent, Intelligenz und Einsatz möglich ist und öffnete die ansonsten recht militärisch-steife Serie damit im Vorbeigehen einem jüngeren Publikum.

Umso toller ist es doch, dass Wil Wheaton nach seinem erfreulichen Dauereinsatz als Moderator von The Ready Room am Ende von Star Trek: Picard auch seine Rückkehr als Darsteller in Sachen Trek feiern durfte. Der sympathische Mime hat es ebenso wie seine Figur mehr als verdient.

Danke, Wesley. Danke, Wil.

In diesem Sinne: Auf eine weitere trekkige Woche. Wir lesen uns!

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