Andere Welten

Bücherecke: John Matthews: Die Legende von König Arthur und den Rittern der Tafelrunde

© Klett-Cotta-Verlag

Neue, bislang unbekannten Geschichten über den legendären König Arthur, seine tapferen Ritter und den größten Zauberer der Welt in einem wahrhaft königlichen Prachtband aus der Hobbit-Presse.

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In seinem Vorwort zu Matthews Neuerzählung der Artus-Legenden schreibt Neil Gaiman (Sandman, American Gods) über den fortwährenden Zauber der Artus-Saga, der über 600 Jahre nach Sir Thomas Malorys Morte D’Arthur immer noch anhält, neue Leserinnen und Leser begeistert, und dessen Geschichten einfach unsterblich zu sein scheinen: So wie König Arthur selbst, der, wie es der Sage nach heißt, verwundet auf die sagenumwobene Insel Avalon gebracht worden ist, um eines Tages, in der Stunde der Not, von dort zurückzukehren und England beizustehen.

Unsterbliche Geschichten

Als eine der ersten Quellen der vielen Legenden, die sich um den legendären König ranken, gilt Geoffrey of Monmouth Chronik Die Geschichte der Könige Britanniens aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Gut die Hälfte der 12 Bände der Chronik erzählen pseudohistorische Geschichten über den Zauberer Merlin, Arthurs Vorväter und schließlich Arthurs eigene Abenteuer und die seiner tapferen Ritter.

John Matthews, weltweit führender Kenner altenglischer Sagen und ausgewiesener Experte der Artus-Legende, konzentriert sich in seinem Buch Die Legende von König Arthur und den Rittern der Tafelrunde jedoch auf das zweite große mittelalterliche Epos, das sich dem legendären König widmet, nämlich Sir Thomas Malorys Le Morte D’Arthur, ca. 1470 vollendet und 1485 von William Caxton, dem ersten englischen Buchdrucker, publiziert.

Malory, dessen Wappen das Buch auf der Widmungsseite ziert und dem es – ebenso wie J.R.R. Tolkien (König Arthurs Untergang) gewidmet ist – hat Gedichte, volkstümliche Geschichten und Mythen aus England und Frankreich gesammelt, neu arrangiert, interpretiert und in Prosa übertragen, um eine vollständige Erzählung von der Geburt bis zum Tod Arthurs anfertigen zu können. Viele Autoren nach ihm haben sein Werk als wesentliche Quellen für ihre Versionen und Nacherzählungen der Artus-Saga verwendet.

Matthews selbst, der im Jahr 2000 sowie 2022 neue Ausgaben von Malorys Werk aufbereitet und kommentiert hat, wurde bei der Arbeit an diesen beiden Büchern klar, wie viele Quellen aus Malorys Zeit noch brachlagen und aus den verschiedensten Gründen nicht für seine Zusammenstellung verwendet oder später gekürzt worden waren. Auch hatte sich Malory im Wesentlichen auf eine französische Hauptquelle gestützt, wogegen ihm Werke aus anderen Sprachen wie z. B. Deutsch, Spanisch, Italienisch oder Hebräisch nicht zugänglich waren. Matthews beschloss daher quasi einen neuen Morte D’Arthur anzugehen und die neuen Geschichten heutigen Leserinnen und Lesern zugänglich zu machen. Er verwendet dafür auch zahlreiche Geschichten und Quellen späterer Jahrhunderte, die er alle sprachlich angepasst hat, um sie zu einer einheitlichen Erzählung nach Malorys Vorbild zu machen.

Epischer Erzählfluss

Die Einheit der Erzählungen stellt Matthews zudem mit einer fiktiven Erzählerfigur sicher, einen anonymen Kleriker und Geschichtenerzähler, der sein Werk als Hommage an den großen Thomas Malory verstanden wissen will und die Geschichten an der ein oder anderen Stelle auch mit eigenen Kommentaren unterbricht. Sprachlich versucht Matthews den Stil des Originals widerzuspiegeln, ohne dabei altmodisch oder für die heutigen Leser gar unverständlich zu wirken. Im Gegenteil, der Erzählfluss ist auf jeden Fall gewährleistet und fließt geradezu dahin, auch wenn das 640 Seiten starke Epos sicherlich von den meisten eher nicht am Stück gelesen wird, sondern man immer wieder hier und da in eine neue Geschichte eintauchen und an bestimmte Stellen der Erzählung jederzeit zurückkehren kann.

Themen sind, wie könnte es anders sein, die Ritterlichkeit der tapferen Helden, die höfische Liebe, die Suche nach dem nächsten Abenteuer und vor allem auch die ständigen Begegnungen und Kämpfe mit Wesen aus der Anderswelt, die gleich vor den Toren Camelots und anderen Burgen zu lauern scheinen und keine Gelegenheit auslassen, die sagenumwobenen Recken herauszufordern. Diese haben schließlich einen Ruf zu verlieren und können schlecht ablehnen: Der Heldenruhm will schließlich verdient sein. Alles kann in der magischen Anderswelt passieren und das tut es dann auch.

Die Auswahl der Geschichten ist in insgesamt fünf Bücher eingeteilt, beginnend mit dem Buch Merlin, dem Buch von der Tafelrunde, dem Buch von Sir Gawain und dem Gral sowie dem Ende der Tafelrunde. Die Zeitspanne reicht dabei von den Kelten bis zum Spätmittelalter. Zum Teil werden einige Geschichte ganz anders erzählt und werfen ein völlig anderes Licht auf altbekannte Figuren wie Lancelot oder Gawain. Auch die Gralssuche erhält eine völlig andere Bedeutung als bei Malory. Um Unstimmigkeiten in Bezug auf Charaktere und Ereignisse zu vermeiden und eine gewisse Konsistenz der Geschichten zu gewährleisten, sah sich Matthews – genau wie Malory – genötigt, gewisse Teile der Erzählungen auszulassen. Um seinen Leser*innen nichts vorzuenthalten, greift er diese Auslassungen aber kurz zusammengefasst in den Anmerkungen am Ende des Buches wieder auf, so dass einem nichts entgeht.

Ein wahres Prachtstück

Detaillierte Anmerkungen und Quellenangaben sowie ein weiterführendes Literaturverzeichnis runden Matthews exzellentes Werk ab. Die Ausgabe an sich ist, wie man es von der Hobbit-Presse im Klett-Cotta-Verlag gewöhnt ist, ein wahres Prachtstück: Gebunden mit Lesebändchen und Schutzumschlag, den bereits eine der zahlreichen exquisiten Illustrationen von John Howe (Der Herr der Ringe) schmückt, ist das Buch eine richtige Augenweide und eine Zierde für jedes Bücherregal.

Weitere schwarz-weiß Illustrationen des kanadischen Illustrators finden sich über das ganze Buch verteilt sowie insgesamt zehn wunderschöne Farbtafeln, die an die Ausschmückungen alter Chroniken erinnern und den Zauber des Buches visuell zusätzlich unterstreichen. Auch jedes der fünf Bücher wird mit einer farbigen Doppelseite eingeführt. Es ist, wie Neil Gaiman in seinem Vorwort sehr treffend schreibt, »Als würde man an den Hof von König Arthur reisen«.

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