Andere Welten

Bücherecke: Leigh Bardugo: Der Vertraute

© Knaur

Für die Bücherecke stellt Birgit Schwenger mit “Der Vertraute” den neuen magischen Fantasy-Roman von Bestseller-Autorin Leigh Bardugo vor.

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Madrid, zu Beginn des Goldenen Zeitalters: Die junge Luzia Cotado arbeitet als Dienstmagd im Hause der Adelsfamilie Ordoño in sehr armseligen Verhältnissen: Ihr Bett ist der Lehmboden in der Speisekammer, der Tag von morgens bis abends mit Arbeit angefüllt. Aber auch die Herrin des Hauses, Doña Valentenia, führt kein glückliches Leben. Als Adelige niedrigen Standes verfügen die Ordoños nur über geringe finanzielle Mittel, was ihrem sozialen Status nicht gerade zuträglich ist.

Als Valentina durch Zufall herausfindet, dass Luzia über offenbar bescheidene magische Fähigkeiten verfügt, sieht sie ihre Chance gekommen in der Gesellschaft Madrids aufzusteigen und sich Zutritt zu höheren Kreisen zu verschaffen. Sie ahnt nicht, dass Luzia neben ihrer Gabe, kleine Wunder zu bewirken, noch ein weiteres, womöglich viel gefährlicheres Geheimnis verbirgt: Sie ist eine konvertierte Jüdin, stets in Gefahr von der Inquisition aufgespürt und zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt zu werden. Trotzdem kann Luzia der Versuchung nicht widerstehen, ihrem elendigen Dasein zu entkommen und aus ihrem Leben etwas zu machen: Sie lässt sich gegen den Rat ihrer Tante Hualit darauf ein, für Valentinas Abendgesellschaften kleine magische Kunststücke vorzuführen.

Bald schon erregt sie die Aufmerksamkeit von Hualits Gönner Victor de Paredes, der sie mit Hilfe seines Vertrauten Santángel zur Teilnehmerin des magischen Turniers von Antonio Pérez machen will, dem in Ungnade gefallenen Sekretär des Königs. Dieser will mit dem Turnier einen Kämpfer finden, der Spanien siegreich gegen die ketzerische Königin Elisabeth I. von England führen soll. Luzia kann kaum glauben, was passiert: Wie soll sie sich als armselige Küchenmagd im Kreise solch illustrer Herrschaften behaupten? Und was führt der unheimliche Vertrauten Santángel im Schilde, mit dessen Hilfe sie ihre wahren Fähigkeiten ergründet? Hat er es auf ihr Leben abgesehen oder will er sie womöglich an die Schergen der Inquisition ausliefern? Luzia muss alles wagen – und schwebt alsbald in tödlicher Gefahr.

Historische Fantasy trifft mythische Magie

Während die Fans noch sehnsüchtig auf den dritten Band um die rebellische Heldin Alex Stern warten (der erste Band Das neunte Haus soll demnächst von Amazon Studios verfilmt werden), legt Bardugo bereits den nächsten packenden Schmöker vor: Mit insgesamt 480 Seiten entführt uns die amerikanische Autorin diesmal ins Goldene Zeitalter Spanien gegen Ende des 16. Jahrhunderts: Die Armada König Phillip II. ist gerade von Englands Flotte vernichtend geschlagen worden, so dass der König um jeden Preis einen glorreichen Helden sucht, der das Land wieder zum ruhmreichen Sieg führen soll.

Eine der möglichen Kandidatinnen ist das unscheinbare Küchenmädchen Luzia, die doch so viel mehr ist, als sie vorgibt zu sein – und die nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt, als sie sich auf das magische Turnier einlässt. Luzia hat gelernt sich unauffällig zu verhalten und sich quasi unsichtbar zu machen – ist sie doch nur eine einfache Dienerin ohne Sinn und Verstand. Aber Santángel legt nach und nach ihre Geheimnisse offen und enthüllt, wer sich hinter dem dreckigen, unbeholfenen Küchenmädchen verbirgt.

Die Macht der Inquisition im Kampf gegen die Magie

Mit einer Gesamtauflage von über 20 Millionen verkaufter Bücher zählt Leigh Bardugo zu den erfolgreichsten Fantasy-Autorinnen weltweit. Mit den Romanen des Grishaverse hat sie eine faszinierende Welt erschaffen, die sie mit originellen Charakteren, viel Magie und jeder Menge Abenteuer gefüllt hat. Als TV-Serie Shadow and Bone. Die Legenden der Grisha wurde die Verfilmung bei Netflix ebenfalls ein großer Erfolg. Erstmals begibt sich Bardugo nun mit Der Vertraute in historische Gefilde, die die Leser ins Spanien des 16. Jahrhunderts führen.

Ohne Magie geht es aber auch diesmal nicht zu, auch wenn diese zunächst mehr mit Illusionen und Trickserei zu tun zu haben scheint, als der Macht der Grisha oder der Zauberkraft des Neunten Hauses. In Der Vertraute kommen zusätzlich zur Magie auch noch gefährliche Intrigen, die bedrohliche Macht der Inquisition, echte und falsche Heilige sowie ein grausamer Fluch. Die Schrecken der Inquisition sind ebenso echt wie die Verfolgung der Juden, die um ihr Leben fürchten mussten und ihr Heil nur in der Flucht finden konnten. Bei anderen Begebenheiten hat sich Bardugo einige künstlerische Freiheiten genommen, aber der reale Hintergrund bleibt. Bardugo widmet den Roman ihrer Familie – den Bekehrten, Vertriebenen und den Geistern – sowie den Refranes des Ladinos, der Sprache der Juden Spaniens, die sich neben Spanisch und Hebräisch ans Arabische, Türkische, Italienische und Griechische anlehnt und die eine sehr bedeutende Rolle in ihrem neuen Buch spielen.

Der Roman ist ein Stand-alone-Werk und somit auch ein guter Einstieg für neue Leserinnen und Leser der Autorin. Die erste Auflage erscheint in hochwertiger Ausstattung mit Farbschnitt, gebunden mit schön gestaltetem Schutzumschlag, und ist ansonsten ganz in düsteres Schwarz gehalten. Die gelungene Übersetzung stammt von Alexandra Jordan und Sara Riffel.

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