Analyse

176 Episoden im Zeitraffer: Höhepunkte aus sieben Jahren Deep Space Nine

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Wir zeichnen die inhaltliche und qualitative Entwicklung der dritten Trek-Realserie Deep Space Nine nach.

© Paramount

Die dritte Realserie aus dem Star Trek-Universum startete 1993 und entwickelte sich von einer größtenteils vertikal erzählten Serie wie Star Trek und Star Trek: The Next Generation zu einem immer stärker horizontal erzählten Epos. Die wichtigsten Entwicklungen wollen wir heute mal gemeinsam nachzeichnen.

Staffel 1 – Ankommen & Langweilen

Wie jede Star Trek-Serie hatte auch diese Inkarnation so einige Probleme, in Fahrt zu kommen. Dabei stimmte das düstere Setting von Beginn an und auch in Sachen Hintergrundgeschichte mit den Bajoranern und Cardassianern, Siskos belasteter Vergangenheit, den O’Briens oder vielen verschiedenen Spezies hatte man wunderbare Grundlagenarbeit geleistet. Dennoch variierten viele Episoden schlicht bekannte Themen und zeigten rein inhaltlich nur wenige Ecken und Kanten. Einzig die Figuren stachen bereits früh heraus und machten das Gros der Staffel trotz aller Schwächen unterhaltsam.

Erwähnenswert sind noch die Einführung von Gul Dukat und Garak sowie der erste Auftritt des Großen Nagus, die grandiose Holocaust-Metapher in Duet sowie das stimmige Ende mit In the Hands of the Prophets, bei dem erstmals deutlich wurde, wie sehr sich die Autoren um die Zusammenhänge kümmern wollten. Verzichten können hätte man gerne auf die Alle-drehen-durch-Episoden Babel und Dramatis Personae sowie auf die mehr als uninspirierten Gastauftritte von Q, Vash sowie Lursa und B’Etor, die einerseits zu früh kamen und zudem keinem wirklichen Zweck dienten.

Höhepunkte: Emissary, Captive Pursuit, Progress, Duet

Tiefpunkte: Babel, If Wishes Were Horses, Dramatis Personae

Fazit: Ein solider Start, aber insgesamt doch etwas schnarchig und ausbaufähig.

Staffelwertung: 60%

Staffel 2 – Findungsphase

Die zweite Staffel besann sich bereits etwas mehr auf die Rahmengeschichte und startete direkt mit einem politisch höchst brisanten Dreiteiler – ein Novum in Star Trek. In Necessary Evil durften wir die Zeit der Besatzung näher erleben, in Blood Oath eine Hommage an die Classic-Serie mitverfolgen (samt der gut eingebauten Gastauftritte), in der The Maquis-Doppelfolge tiefer in die komplexen Probleme der Föderation mit Outlaws einsteigen, in Crossover das Spiegeluniversum besuchen und in The Wire mehr über den simplen Schneider Garak erfahren, der zu einer der spannendsten Figuren der Serie avancierte. Auch wurde hier bereits die Saat für den späteren Dominion-Krieg ausgebracht und im Staffelfinale erstmals klar gezeigt, wohin der Weg gehen kann: Die Jem’Hadar hatten ihren Auftritt! Dazu gab es jedoch auch viele Einzelabenteuer, die von wechselnder Qualität waren, aber immer Erkenntnisse über die Figuren brachten.

Höhepunkte: Cardassians, Necessary Evil, Whispers, The Wire, Crossover

Tiefpunkte: Invasive Procedures, Profit and Loss

Fazit: Spürbare Steigerung des Gesamtniveaus, einige tolle Momente, nur wenige Ausfälle.

Staffelwertung: 70%

Staffel 3 – Selbstbewusst geht’s voran

Der Dominion-Konflikt wurde im dritten Jahr vorangetrieben und wie gehabt mit vielen eigenständigen Episoden gemischt, die die allgemeine Qualität erneut zu steigern wussten. Ein Gastauftritt von Jonathan Frakes erfreute die Fans in Defiant, das gleichnamige neue Schiff der Station war dabei ein klares Zugeständnis an die Fans von Star Trek: The Next Generation, da man das Element des Vorankommens somit optional nun ebenfalls besaß. Mit Past Tense gelang ein herausragender Zweiteiler, mit Improbable Cause und The Die is Cast direkt noch ein ebenfalls starkes Stück DS9 hinterher. Am Ende der Staffel ließ sich Ben Sisko dann einen Bart wachsen und wurde zum Captain befördert.

Höhepunkte: Past Tense, Through the Looking Glass, Improbable Cause, The Die is Cast, The Adversary

Tiefpunkte: Merdian, Heart of Stone, Prophet Motive

Fazit: Die Serie hatte sich gefunden und packte langsam die großen Kanonen aus.

Staffelwertung: 75%

Staffel 4 – Wooooooooooooooooooooooooooorf!

Viele sagen, dass die Serie mit dem vierten Jahr eine vollkommen andere Show wurde. Das stimmt für mich nicht. Die Serie wurde allerdings fraglos noch besser, noch selbstbewusster und noch fokussierter im Umgang mit ihrem Potential. Die Autoren legten nun richtig los, mischten wunderbare Figurenarbeit mit spannenden und mitreißenden Handlungssträngen und präsentierten mit Worf einen echten Gewinn in Sachen Sympathie und Drama, der jedoch die Serie und ihre Figuren nur wunderbar ergänzte, sie aber nie störte. Dass Sisko zudem noch härter (und kahlköpfig) auftrat, schadete ebenfalls nicht. Ein harter Hund war er jedoch auch schon ohne Bart und mit Haaren gewesen. Man erlaubte sich fast keine Schwächen mehr und hatte mit The Visitor und dem Homefront/Paradise Lost-Zweiteiler mit das feinste im Portfolio, was Star Trek je zu bieten hatte.

Höhepunkte: The Way of the Warrior, The Visitor, Our Man Bashir, Homefront, Paradise Lost, Hard Time, The Quickening, Broken Link

Tiefpunkt: The Muse

Fazit: Konstant hohes Niveau, viele wunderbare Momente und neue Energie.

Staffelwertung: 80%

Staffel 5 – Krisenherde entwickeln sich

Im fünften Jahr baute man eindeutig auf dem auf, was zuvor so gut funktioniert hatte, brachte die Klingonen prominenter ins Spiel und wechselte zwischen allen Figuren und Krisenherden virtuos hin und her. Der Twist rund um Dr. Bashir rüttelte die Figur mächtig auf und gab ihr Fahrt für den Rest der Serie und das Staffelende bereitete den Boden für einen mächtigen Kriegszyklus im kommenden Jahr.

Höhepunkte: The Ship, Nor the Battle to the Strong, Trials and Tribble-ations, Things Past, Children of Time, In the Cards, Call to Arms

Tiefpunkte: The Assignment, Let He Who is Without Sin, Ferengi Love Songs

Fazit: Der Druck steigt, das Niveau auch. Ab hier wurde die Serie endgültig zum Epos!

Staffelwertung: 85%

Staffel 6 – Es brennt lichterloh

Mit sechs weitestgehend zusammenhängenden Episoden entbrannte hier direkt der Kampf um die Station. Am Ende wurde dann zünftig Hochzeit gefeiert. Der Rest der Staffel lief auf dem bekannten Niveau weiter, brachte mit Far Beyond the Stars und In the Pale Moonlight zwei Allzeit-Höhepunkte, etablierte die Liebesgeschichte zwischen Kira und Odo, holte den grandiosen Vic Fontaine ins Spiel und endete schließlich mehr als bitter. Großes Kino!

Höhepunkte: A Time to Stand, Rocks and Shoals, Waltz, Far Beyond the Stars, Inquisition, In the Pale Moonlight, His Way, Time’s Orphan, Tears of the Prophets

Tiefpunkte: The Reckoning, Profit and Lace

Fazit: Eine gewachsene Serie spielt ihre Karten meisterhaft aus.

Staffelwertung: 85%

Staffel 7 – Homerun!

Mit dem letzten Jahr ernteten die Autoren, was sie sechs Jahre lang aufgebaut hatten. Ezri Dax brachte nochmal frischen Wind, der Weg des Abgesandten rückte etwas mehr in den Fokus, es gab Spaß und Dramatik und am Ende einen Zehnteiler, der alle großen und kleinen Themen mit viel Liebe und Hingabe an das Material auflöste. Das Ende war dann typisch DS9 – nichts im Leben ist einfach und nichts bleibt, wie es einmal war. Eine Staffel voller Höhepunkte und zugegeben mit viel Pathos, für alle, die die Figuren liebgewonnen hatten, jedoch in genau der richtigen Dosis.

Höhepunkte: Treachery, Faith and the Great River, The Siege of AR-588, It’s Only a Papermoon, Chimera, Badda-Bing, Badda-Bang, Inter Arma Enim Silent Leges, The Changing Face of Evil, Tacking into the Wind, What You Leave Behind

Tiefpunkt: The Emperor’s New Cloak

Fazit: Die Serie zelebriert ihre Stärke und lässt uns staunen.

Staffelwertung: 90%

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf www.syfy.de und ist Eigentum von NBC Universal Global Networks Deutschland GmbH. Er wird mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt.

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