First Look

Star Trek: Strange New Worlds – First Look: Yes, they hit it!

Obwohl die Serie in Deutschland noch auf sich warten lässt, kommt hier unser spoilerfreier Ersteindruck zu “Strange New Worlds”.

© Paramount

Mit Star Trek: Strange New Worlds gelingt der Riege um Alex Kurtzman und Akiva Goldsman endlich das, was sich Fans von Star Trek: Discovery und Star Trek: Picard erhofft hatten, aber immer noch schmerzlich vermissen: Star Trek-Feeling pur auf den Bildschirm zu zaubern. Ein spoilerfreier Ersteindruck.

Wow-Intro

Kennt Ihr das? Gerade läuft das Intro einer Serie auf dem Streamingdienst Eurer Wahl und Euch umfängt das ungute Gefühl, nichts zu verstehen. Okay, die Computer gerenderten Bilder, die soeben über den Bildschirm flimmern, folgen einem berauschenden ästhetischen Konzept. Formen und Farben fließen wild ineinander, vereinen sich fast wie zufällig und münden im Titel. Untermalt wird das kurze Filmchen von einer emotionsgeladenen Melodie, oder, je nach Länge des Appetizers, von einem (natürlich elektronisch erzeugten) Fanfarenstoß oder martialischen Trommeln. Lust auf das Kommende machen solche Intros nicht wirklich. Sie führen im Grunde genommen ein Schattendasein und haben ihre einstige Bedeutung, den Zuschauern einen kurzen, aber prägnanten Eindruck zu vermitteln, längst eingebüßt.

Da wünscht man sich manchmal die Zeiten zurück, in denen die Serienmacher ihre Titelsequenzen noch nach anderen Gesichtspunkten zusammenschneiden ließen. TOS weckte die Lust am Entdecken, TNG führte uns in nur einer Minute hinaus über die Grenzen unseres Sonnensystems, DS9 gewährte einen erhabenen Blick auf eine Raumstation, die große Abenteuer versprach. Die USS Voyager wiederum nahm uns mit auf eine Reise dorthin, wo noch nie ein Star Trek-Fan zuvor gewesen war, während das Intro von Enterprise die Vergangenheit in die Zukunft verwandelte. Im Gegensatz zu den Intros von Discovery und Picard (die auf ihre Art fraglos gut gemacht sind), weckten all diese Sequenzen aber die unstillbare Leidenschaft, Star Trek immer wieder neu entdecken zu wollen.

Und Strange New Worlds? Die Serie tut etwas, was sich seit Jahrzehnten niemand mehr bei Star Trek getraut hat: Sie beginnt mit einigen von Captain Pike gesprochenen ikonischen Sätzen, die wir nur zu gut kennen:

»Space. The final frontier. These are the voyages of the starship Enterprise. It’s five-year mission: to explore strange new worlds … to seek out new life and new civilizations, to boldy go where no one has gone before.«

Währenddessen ist im Hintergrund leise die gute alte Trek-Melodie zu hören, die uns seit nunmehr über 55 Jahren (in Deutschland 50 Jahre) auch auf den unwegsamsten Fan-Wegen begleitet. Wer nun noch keine Gänsehaut hat, bekommt sie spätestens, wenn die wundervoll komponierte Musik von Jeff Russo einsetzt und die Enterprise auf Warp geht, um dem nächsten Abenteuer entgegenzufliegen. Das Intro lässt sich vielleicht am besten als eine gelungene und mitreißend aufgepeppte Mixtur aus TOS und Voyager umschreiben, wobei die majestätisch durch das All gleitende USS Enterprise NCC-1701 die Wunder des Universums offenbart. Da kommt ein prickelndes Retro-Feeling auf, wie es schöner kaum sein könnte.

Storyteller

Man mag es nach den vielen Irrungen und Wirrungen, die ›New Trek‹ bisweilen für uns parat hat, kaum glauben. Doch das Intro von SNW hält mit seinen Verlockungen zumindest in den ersten beiden Episoden Wort. Die Pilotfolge (Strange New Worlds) erzählt ein gut durchdachtes Abenteuer der Woche, das nicht nur die Richtung der neuen Show vorgibt, sondern auch wirklich den Geist von Star Trek atmet. Statt ein großes Epik-Fass aufzumachen (und den Zuschauer damit allein zu lassen), startet die Folge klassisch. Ein eigentlich simpler Erstkontakt läuft gründlich schief.

Captain Pike, der sich noch von seinen zermürbenden Erlebnissen mit der Discovery erholt, kehrt zähneknirschend in den Dienst zurück, um der Sache auf den Grund zu gehen. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, um denjenigen, die noch nicht das Vergnügen hatten, den Spaß an der Vorfreude nicht zu verderben. Und die darf man ohne Wenn und Aber empfinden, denn die Geschichte, die nun folgt ist ein Statement für Frieden und Völkerverständigung. Hass, so die klare Botschaft, kann nur im Chaos münden und im Diskurs überwunden werden. Im Verstehen der Tatsache, dass das ›Andere‹ gar nicht so anders ist und wir im Grunde immer nur die fiese Fratze unseres Spiegelbildes bekämpfen, wenn wir zu den Waffen greifen, liegt die Weisheit und der Weg zum Frieden.

Children of the Comet greift ein verwandtes philosophisches Dilemma auf, führt es aber auf eine neue Ebene. Die Folge diskutiert die Frage, inwieweit wir uns in die Belange anderer einmischen dürfen, ohne deren Beweggründe erfasst zu haben. Egal, welch hehre Ziele wir verfolgen, wie gut und richtig unsere Intention auch ist: Sollten wir unsere moralischen Prinzipien als Maß der Dinge, als Kompass für jedermann ansehen und sie mit allen Mitteln durchsetzen, selbst wenn andere dies nicht wollen? Die Ausgangssituation bringt Captain Pike und die Crew der Enterprise in eine Zwickmühle, aus der es nur einen Ausweg zu geben scheint. Im Verlauf der grandiosen Folge beweisen die Autoren Henry Alonso Myers und Sarah Tarkoff nicht nur Fingerspitzengefühl für das Ungewöhnliche, sondern auch ein gutes Händchen für eine wahrlich trekkige Auflösung des Konflikts, den wir hautnah miterleben dürfen.

Figuren zum Gernhaben

Besonders gelungen ist, dass man als Zuschauer beide Episoden als Standalone unabhängig voneinander genießen kann, aber trotzdem nicht das Gefühl hat, eine zusammenhanglose Anthologie zu erleben. Das liegt zu einem großen Teil an der gefühlvollen Figurenentwicklung, der aus dem Writers Room endlich einmal die gebührende Aufmerksamkeit zugekommen ist. Kurz gesagt: Man weiß nach vier Folgen SNW mehr über die Brückencrew als nach vier Staffeln Discovery.

Tatsächlich nehmen sich die Autoren Zeit, die Helden und ihre Sidekicks einzuführen. Pike, Spock, Nurse Chapel, die Sicherheitsoffizierin La’an Noonien-Singh, Cadet Uhura und Lieutenant Ortegas. Sie alle haben ihre großen Momente und Szenen, in denen sie etwas über sich preisgeben, das es wert ist, erfahren zu werden. Hinzu kommt, dass man kaum ein besseres Ensemble hätte zusammenstellen können. Anson Mount ist als Christopher Pike der perfekte Anführer, ruhig und gelassen, aber gleichzeitig smart und vertrauenserweckend. Er ist ein Mann, dem man folgen will.

Gab es an Ethan Peck in Star Trek: Discovery noch den einen oder anderen berechtigten Kritikpunkt, findet sich der Enkel des großen Gregory Peck nun geradezu vulkanisch in seine Rolle ein und avanciert zum besten Spock seit Leonard Nimoy. Jess Bush verkörpert Christine Chapel als hochintelligente, selbstbewusste Frau, die ein unmissverständliches Auge auf das grünblütige Spitzohr geworfen hat. Sie sieht blendend aus, doch verlässt sich nicht allein darauf, sondern ist kompetent und mutig.

Die vielleicht größte positive Überraschung stellt allerdings Celia Rose Gooding als Cadet Nyota Uhura dar. Anders als Ito Aghayere, die als Guinan in der zweiten Season von Star Trek: Picard eine unglückliche Figur macht, zeigt Gooding, dass man sich sehr wohl in eine so ikonische Rolle einfinden, und ihr dennoch etwas Eigenes hinzufügen kann. Wie ihr großes Vorbild Nichelle Nichols ist die gebürtige New Yorkerin eine tolle Sängerin und auf den Punkt präsent. Darüber hinaus ist Uhura in der Serie aber weit mehr als eine Stichwortgeberin. Die Jung-Offizierin ist eine geniale Linguistin und wird zu einem der entscheidenden Faktoren, die zu einem guten Ausgang von Children of the Comet führen. Klasse!

Fazit

So darf es weitergehen. Strange New Worlds versprüht ein wunderbares Retro-Feeling, das auf TOS basiert und sich durchaus ähnlicher Prämissen bedient. Dennoch fühlt sich die Serie erfrischend modern und neu an. Obwohl jedes Abenteuer für sich alleine steht, dient das Zusammenspiel der Figuren und ihre Entwicklung als umgreifendes Gerüst, das aus den Geschichten ein homogenes Ganzes macht.

Das ist herrlich subtil und großartige Schreibkunst, die man in Discovery und Picard in mancher Situation so schmerzlich vermisst. Die Szenen, die die Charaktere voranbringen wirken im Gegensatz zu denen der genannten Shows weder gekünstelt, noch an den Haaren herbeigezogen, sondern fügen sich butterweich in den Kontext des jeweiligen Abenteuers ein. Mit einem Satz: Das ist Star Trek!

Nach aktuellen Erkenntnissen startet die Serie im Dezember via Paramount+ in Deutschland.

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