Andere Welten

Trashperle: Wing Commander – Da wäre mehr drin gewesen

WingComander

Zum Computerspiel “Wing Commander” erschien 1999 eine langersehnte Verfilmung, die leider einiges an Potenzial liegenließ.

© 20th Century Fox

Was ist los?

Im Jahr 2654 herrscht Krieg zwischen der Konföderation der von Menschen besiedelten Planeten und den katzenartigen Kilrathi. Die Aliens haben es sich zum Ziel gesetzt, die Menschheit auszulöschen. Als sich das requirierte Handelsschiff Diligent mit den beiden Kampfpiloten Christopher Blair und Todd Marshall an Bord auf dem Weg zum Trägerschiff TCS Tiger Claw befindet, empfängt der Captain des kleinen Transporters, James Taggart, eine erschreckende Nachricht. Die Außerirdischen haben die Raumstation Pegasus angegriffen und ein sogenanntes Nav-Com erbeutet. Das Gerät enthält wichtige Sprungkoordinaten, die den Feind direkt in den Erdsektor führen könnten.

Der Sprung würde etwa vierundzwanzig Stunden dauern, während die Flotte der Konföderation 26 Stunden benötigt, um zur Erde zu gelangen. Nur die TCS Tiger Claw ist nah genug, um die Kilrathi-Armada abzufangen. Eine Funkverbindung zum mächtigen Schiff stellt sich jedoch als unmöglich heraus. So fällt es der Diligent zu, sich durch feindliches Gebiet zu begeben, um das verbündete Kriegs-Raumschiff zu erreichen. Als der Coup gelingt, unternehmen Blair, „Maniac“ Marshal und ihre neuen Kameraden „Angel“ und „Sister Sassi“ alles, um die Fieslinge aufzuhalten.

Every Gamer’s Darling

So ziemlich jedem computerspielenden SciFi-Fan dürfte der Name Chris Roberts ein Begriff sein. Seit 2012 sammelt der US-Amerikaner für seinen ultramodernen Space-Shooter Star Citizen Geld und erntet von seinen Fans viel Vorschusslorbeeren. Obwohl das Spiel noch nicht einmal annähernd fertig ist, konnte der umtriebige Spieleentwickler bislang mehr 340 Millionen US-Dollar einnehmen. Roberts Karriere begann 1990 mit dem ersten Teil der weltberühmten Wing Commander-Reihe, dem sich insgesamt drei Fortsetzungen und zwei Ableger anschlossen. Damit gehört die Spiele-Serie bis heute zu den erfolgreichsten ihrer Art. 1996 verließ Roberts sein Baby Origin Studios und gründete Anvil Digital. Kurz darauf kaufte er vom Spielegiganten Electronic Arts die Rechte zur Filmverwertung. 1999 war es endlich so weit und der langersehnte Kinostreifen erschien in den Kinos.

Bitter enttäuscht

Von Anfang an sah sich Roberts harscher Kritik der Fans ausgesetzt, die die zahlreichen Story-Änderungen nicht guthießen. Nicht nur, dass einige der beliebtesten Figuren der bravourös erzählten Game-Reihe einen neuen Background erhielten, auch die katzenartigen Kilrathi sahen plötzlich völlig anders aus, als gewohnt. Aus den von den Fans geliebten klugen Taktikern waren überdies bessere Statisten geworden. Hinzu kam, dass man die wohlbekannten Antagonisten im Film nur wenig zu Gesicht bekam. Auch bei den Kritikern kam der Streifen nicht gut weg. Der Plot sei ideenlos, die schauspielerischen Leistungen zum Teil grottig und die Regieführung wirke unmotiviert. Es verwundert retrospektiv betrachtet kaum, dass Wing Commander an den Kinokassen gnadenlos floppte. Der Film spielte nur etwas mehr als die Hälfte seiner rund 30 Millionen Dollar Produktionskosten wieder ein.

Just Another Lizenzgurke

Lizenzgurken gibt es bekanntlich in beide Richtungen, wobei Spieladaptionen zu Filmen meistens im Fokus der Berichterstattung stehen. Doch auch Filmumsetzungen können recht häufig die hochgesteckten Erwartungen von Kinozuschauern und Kritikern nicht erfüllen. Egal ob Wing Commander, Dungeon Siege, Mortal Combat, Alone in the Dark, Prince of Persia, Hit Man, Assassins Creed oder World of Warcraft. Das verwurstete Franchise scheint kaum eine Rolle zu spielen. Eins bleibt allen gemeinsam. Sie waren ein großes Verlustgeschäft für die Studios. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine Story, die in einem guten Computerspiel über mehr als zehn Stunden erzählt wird, lässt sich nun einmal schlecht in 100 Minuten pressen, zumal die Zuschauer naturgemäß ein sehr konkretes Bild von den Protagonisten, der Umgebung sowie dem Erzählstil der Spieleautoren haben. Hinzu kommt, dass die Drehbuchautoren der Filmadaptionen recht häufig mehr oder weniger nachvollziehbare Änderungen vornehmen, die sich für den Kenner als Stimmungskiller auswirken können.

Abzüge in der A-Note, in der B-Note aber auch

Im Fall von Wing Commander sind genau jene Umstände eingetreten. Für die Liebhaber der Serie fühlte sich die Verfilmung zu wenig nach dem Original an. Hinzu kam, dass vor allem Hauptdarsteller Freddie Prinze Jr. recht unerfahren wirkte. Im Kontrast dazu stehen die seinerzeit ebenfalls noch jungen Saffron Burrows und Matthew Lillard, deren Leistungen durchaus in Ordnung gehen. Dennoch stimmte leider die Chemie zwischen Burrows und Prinze Jr. nicht, der zudem häufig mehr grimassierte, als eine ausgewogene Mimik zu präsentieren. Um die Unerfahrenheit des Main-Casts ein wenig auszugleichen, holte man Jürgen Prochnow und Tchéky Karyo an Bord, die in ihren prominenten Nebenrollen die Kohlen aber auch nicht wirklich aus dem Feuer zu holen vermochten.

Leider ist auch das Drehbuch nicht sehr klug geschrieben. Der Plot ist zu simpel gestrickt und es gelingt Roberts nicht, seinen Protagonisten einen glaubwürdigen Military-Anstrich zu verpassen. Schade ist zudem, dass die interessanten Pilger, die eigens für den Film kreiert wurden, im Grunde lediglich ein MacGuffin sind. Das Volk bleibt völlig austauschbar und dient lediglich dazu, die Antipathie zwischen Blair und Commander Gerald zu erklären. Hier hätte man wunderbar einen spannenden Nebenschauplatz etablieren können, der dem Universum wesentlich mehr Tiefe verliehen hätte.

Trotzdem kein Totalausfall

Trotz dieser großen Kritikpunkte ist Wing Commander für sich allein betrachtet aber kein Totalausfall. Wer ein Herz für seichte Space Operas im Military-Look hat, findet durchaus seinen Spaß an dem Film. Die spannungsgeladene Atmosphäre weiß zu gefallen. Außerdem lassen sich eine Reihe hübsch anzusehender Dog Fights und einige unterhaltsame Action-Momente auf der Habenseite verbuchen. Von Verfolgungsjagden im Stil einer U-Boot-Jagd á la Das Boot, bis hin zu coolen Großkampf-Raumschiffen, die sich mit Bordkanonen und Torpedos beharken, gibt es einige hübsche Schauwerte. So drückt man nach 100 Minuten den Stop-Button der Fernbedienung des Blu-Ray-Players mit dem Gefühl, zwar viel verschwendetes Potential gesehen zu haben, aber dennoch gut unterhalten worden zu sein.

Fazit

Wing Commander ist weder Fleisch noch Fisch. 2021, mitten im goldenen Serienzeitalter, wäre ein findiger Produzent sicherlich auf die Idee gekommen, eine zehnteilige Serie aus dem Stoff herauszukitzeln. Der Film kann nämlich die Attitüde eines Pilotfilms nicht ganz verleugnen. Mit zehn Stunden Screentime im Gepäck, hätte man aus dem ersten Teil der Gamereihe das Beste herausholen können, um sich anschließend auf die weiteren Parts zu konzentrieren. Vielleicht wäre sogar eine Art modernes Space 2063 dabei herausgekommen. Wer weiß? Höchstwahrscheinlich werden wie es nie erfahren, es sei denn, Chris Roberts verfällt auf die Wahnsinnsidee, sich als Executive Producer für eine künftige Show zu versuchen. Doch ob das gut ginge?

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf www.syfy.de und ist Eigentum von NBC Universal Global Networks Deutschland GmbH. Er wird mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt.

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